Berlin : 11. Dezember 1978

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Vor 25 Jahren behinderten Behörden vorbildliche Nachbarschaftshilfe

BERLINER CHRONIK

Der Hausmeister starb und hinterließ eine gehirnoperierte, behinderte Ehefrau mit zwei Kindern. Glücklicherweise hatte die Frau Nachbarn, die nicht nur Beileid murmelten, sondern erkannten, daß hier sofort aktiver Beistand zu leisten sei. Sie taten dies und machten auch das Bezirksamt Steglitz auf die Notlage aufmerksam. Eine Nachbarin bot sich an, sofort als Familienhelferin in die vaterlos gewordene, gefährdete Familie zu gehen. Es dauerte jedoch von August bis November, ehe das spontane Engagement der Nachbarin behördlich abgesegnet wurde. In der Zwischenzeit gab es einen Polizeieinsatz, hervorgerufen durch die kranke Witwe, die von ihren Problemen erdrückt wurde. Die Nachbarin nahm die Kinder dann einfach zu sich, sonst hätten sie in ein Heim gebracht werden müssen. „Unser Jugendhilfe-System ist grundsätzlich falsch orientiert, weil es sich primär mit der Verwaltung und Kontrolle von entstandenen Schäden und nur am Rande mit der Bekämpfung von Ursachen und mit der Verhütung von Schäden befaßt“, hieß eine These, über die kürzlich Erzieher in der Sozialpädagogischen Fortbildungsstätte der Senatsverwaltung für Familie, Jugend und Sport diskutierten.

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