Berlin : 120 Meter hohe Werbesäule am Alex

Das „Park Inn“-Hotel soll komplett mit einem Großplakat verhüllt werden – das Bezirksamt Mitte ist dagegen

Matthias Oloew

Um das Dauer-Thema der riesengroßen Werbeplakate in der Stadt deutet sich neuer Streit an, noch dazu in neuer Dimension. Das Hotel Park Inn (früher: Forum-Hotel) am Alexanderplatz hat zum zweiten Mal die Erlaubnis dafür beantragt, die gesamte Fassade seines rund 120 Meter hohen Turmes mit einem Werbeplakat zu verhüllen. Nach dem ersten Mal bekam das Hotel erwartungsgemäß eine Absage vom zuständigen Bezirksamt Mitte. Jetzt versucht es der Hotelbetreiber ein zweites Mal, wieder beim Bezirksamt, die Entscheidung steht noch aus.

Beim ersten Anlauf beschied Mittes Baustadträtin Dorothee Dubrau, das Rundum- Plakat sei nicht genehmigungsfähig und verwies auf die Berliner Bauordnung. Tatsächlich steht dort in Paragraf 55, dass Plakate und Werbeanlagen dieser Größe nur dann genehmigt werden dürfen, wenn sie an Baugerüsten aufgehängt werden. Baugerüste wiederum dürfen nur aufgestellt werden, wenn tatsächlich gebaut wird, und das ist im Hotel Park Inn nicht der Fall.

Großplakate in der Innenstadt haben in der Vergangenheit immer wieder zu Streit geführt. Zum Beispiel am so genannten Telefunken-Hochhaus der Technischen Universität am Ernst-Reuter-Platz. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf genehmigte im vergangenen Jahr auf Zeit ein riesiges Plakat und verlangte nach Fristablauf, dass es verschwindet. Bausenator Peter Strieder (SPD) zog jedoch das Verfahren an sich, begründet mit dem gesamtstädtischen Interesse, und erlaubte den Werbestrategen und der TU, das Plakat länger hängen zu lassen.

Unstrittig sind dagegen in aller Regel Plakate, deren Werbeerlöse dazu verwandt werden, Gebäude instand zu setzen oder neu zu errichten, für die der Bauherr (meistens die öffentliche Hand) kein Geld hat. Prominentestes Beispiel war der Glockenturm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Weil der 60er-Jahre-Bau marode war, die Gemeinde aber kein Geld für die Sanierung hatte, ließ Pfarrerin Sylvia von Kekulé den Turm ringsherum einhüllen – mit Reklame. Für das Projekt erhielt sie seinerzeit Beifall vom Bezirksamt und eine Auszeichnung von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Ein anderes Beispiel: Das Bezirksamt Schöneberg genehmigte Riesenplakate am U-Bahnhof Wittenbergplatz. Das so eingenommene Geld steckte die BVG in den Wiederaufbau der Kuppel am U-Bahnhof Nollendorfplatz.

Damit kalkulieren auch die Werbefirmen. Die Erlöse durch eine so großflächige Reklame sind so hoch, dass die Werbefirmen nun versuchen, dem Staat ein Geschäft auf Gegenseitigkeit anzubieten, etwa so: Wir sanieren deine Fassade, dafür hängen wir Werbung an dein Haus. Den formalen Kriterien der Berliner Bauordnung würde damit genügt; das Echo auf die Offerten ist dennoch eher verhalten. Und das, obwohl Berlins Bezirksämter seit Jahren Erfahrungen machen bei Verträgen dieser Art. Beispiel Brunnen: Der Bezirk Mitte lässt die Wasserspiele von einer Werbefirma auf deren Kosten betreiben, dafür darf diese auf den Plätzen von Mitte beleuchtete Reklametafeln, so genannte Billboards, aufstellen.

Beim Hotel Park Inn weiß man allerdings aus Erfahrung, wie schwierig das Thema ist. An der Fassade hing zur Premiere des ersten Harry-Potter-Films ein Plakat. Der Bezirk wollte es verbieten. Auch damals sprang Senator Strieder ein – und genehmigte es.

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