125 Jahre Hertha BSC Berlin : Zum Jubiläum erscheint das "Ha, Ho, Hörbuch"

Ein Audio-Projekt feiert 150 Minuten lang die 125-jährige Geschichte des Vereins Hertha BSC.

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Wieder an der Spitze. Am 6. August 2011  feierten die Hertha-Fans die Rückkehr ihres Vereins in die 1. Bundesliga. Foto: Rainer Jensen/dpa
Wieder an der Spitze. Am 6. August 2011  feierten die Hertha-Fans die Rückkehr ihres Vereins in die 1. Bundesliga. Foto: Rainer...Foto: picture alliance / dpa

Dichter Nebel war an jenem 24. November 1999 von der Havel heraufgezogen, umwaberte das Olympiastadion, wallte in die Arena hinein, umhüllte Zuschauer wie Spieler. Ein leicht erklärbares, doch lästiges Phänomen: das Wasser sieben Grad, die Luft minus vier – da passiert das eben, nur muss es ausgerechnet beim Champions-League-Spiel von Hertha BSC gegen den FC Barcelona sein? Anfangs kickte man mit einem weißen Ball, er war kaum zu sehen. Nach der Pause kam ein orangefarbenes Modell ins Spiel, das war nur unwesentlich besser. Selbst Hertha-Trainer Jürgen Röber, besonders nah dran am Spielgeschehen, konnte „rechts und links gerade so eben die Tore sehen“.

Im Sonderzug mit "Ha-Ho-He"

Klar, solch ein meteorologisches Ausnahmeduell, das als „Nebelspiel“ in die Annalen des 125-jährigen Vereins einging, darf in einem ebendieser Geschichte gewidmeten Hörbuch nicht fehlen. Ebenso wenig wie die Entstehung des Schlachtrufs „Ha, Ho, He – Hertha BSC“ – des, wie es heißt, ältesten in der Bundesliga, erstmals von einem unbekannten Fan angestimmt am 29. Mai 1927 bei einem Stopp des Hertha-Sonderzugs in Wittenberg, auf der Strecke Berlin-Leipzig, anlässlich des Halbfinalspiels um die deutsche Meisterschaft gegen die Spielvereinigung Fürth. Obwohl: Ob das „Ha-Ho-He“ auf der Hin- oder der Rückfahrt ertönte, es also Hoffnungsruf war oder Triumphgeheul, lässt das Hörbuch im Nebel. Wie auch immer: Die Blau-Weißen unter Kapitän Hannes Sobek siegten 2:1.

Nun gibt es also zum soeben begangenen Hertha-Jubiläum doch noch was für die Ohren. In der aus diesem Anlass vom Stadtmuseum im Ephraim-Palais ausgerichteten Ausstellung war auf die in solchen Häusern unvermeidbaren Audioguides verzichtet worden. Man setzt stattdessen auf die Kommunikation zwischen den Besuchern, den Austausch von Erinnerungen, schließlich sei die „Förderung der Geselligkeit“ ein in den ersten Statuten festgeschriebenes Vereinsziel. Manch ein Besucher mag dies als Mangel empfinden, doch ist das Hertha-Hörbuch – von Zett-Records in Kooperation mit dem Verein und Radio 88,8 produziert – da kein brauchbarer Ersatz, sein Konzept ist von dem der Ausstellung grundverschieden.

Ein Portrait in blau und weiß

Gewiss, in beiden Fällen geht es um 125 Jahre Hertha. Doch während die Fußball-Schau im Museum stets – und dies mit Erfolg – Vereins- und Stadthistorie zu verknüpfen sucht, die eine als „Pars-pro- toto-Geschichte“ der anderen interpretiert, widmet sich Michael Jahn, als Sportjournalist der „Berliner Zeitung“ langjähriger Hertha-Experte, in seinen Texten vor allem dem sportlichen Auf und Ab des Vereins. Lediglich ein Vereinsporträt – und nicht nebenbei zugleich ein Abbild der Stadt – ist so entstanden, eindeutig geschrieben voller Zuneigung zu den Blau-Weißen, aber nicht ohne scharfen Blick auf die trüben Seiten ihrer sportlichen Vergangenheit. Sie wird übrigens sehr ungleich gewichtet. Die erste CD umfasst die Zeit von der Vereinsgründung 1892 bis kurz vor der Jahrtausendwende, die zweite, etwa gleichlange, feiert den Rest.

Das Hörbuch erzählt die Geschichte des Vereins seit der Gründung im Jahre 1892.
Das Hörbuch erzählt die Geschichte des Vereins seit der Gründung im Jahre 1892.Foto: Promo

Vorgetragen werden die Texte von Andreas Witte, Kommentator für RBB und ARD-Sportschau, und sie sind garniert mit vielen „Ha-Ho-Hes“, mit Schlachtgesängen, Ausschnitten aus alten Interviews, Erinnerungen ehemaliger Spieler und Trainer und anderen audiophilen Kostbarkeiten für eingeschworene Hertha-Fans. Etwa die von Witte zitierten Erinnerungen Otto Rehhagels an dessen Gefühle vor dem ersten Spiel für Hertha am 24. August 1963, es ging gegen den 1. FC Nürnberg: „Als ich mit meinem VW Golf am Theodor-Heuss-Platz stand ...“ Auch Sportheroen trügt bisweilen das Gedächtnis: Der erste Golf rollte erst elf Jahre später vom Band.

— Michael Jahn/Andreas Witte: Hertha BSC – Das Hörbuch. Mein Herz schlägt Blau-Weiß. Zett-Records. Doppel-CD, 150 Minuten. Erhältlich in Hertha-Fanshops und im RBB-Shop, ab 25.8. überall im Handel.

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