Berlin : 128 suchen einen Job

Werben in eigener Sache: Mit einem Riesenplakat am Leipziger Platz gehen Berliner in die Offensive

André Glasmacher

Eine Frau hat schon eine neue Stelle gefunden, eine andere hatte bereits ein Bewerbungsgespräch – das macht Nihan Kanzuker und Kerstin Boenicke Mut. Sie warten noch auf Angebote von Unternehmen. Die beiden Frauen und weitere 126 Arbeitslose präsentieren sich seit Anfang April auf einem 14 mal 14 Meter großen Plakat am Leipziger Platz. Unter dem Motto „Mein Traum von einem Job“, blicken die 128 Berliner auf das letzte, unbebaute Grundstück gegenüber dem Bundesrat und hoffen auf Arbeits-Angebote.

„Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf der Aktion“, sagt Sibylle Miram, Geschäftsführerin des „Forums Berufsbildung“. Maja Niebecker, die gestern ein Kontaktgespräch hatte, ist ebenfalls zufrieden: „Ich bin überrascht, dass sich so schnell jemand gemeldet hat.“ Die 46-jährige Bürofrau hat sich zur Marketingexpertin weiterbilden lassen. Ihr Alter war für ihren potenziellen Chef kein Thema: „Der sucht die richtige Mischung. Die Jungen haben die Innovationen und die Älteren die Erfahrung und Gelassenheit.“

Das Forum in Kreuzberg bietet seit 1985 Weiterbildungen an, die vom Arbeitsamt gefördert werden. „Unsere Absolventen sind hochmotivierte Leute“, weiß der zweite Forum-Geschäftsführer Helmut Riethmüller. „Die wollen arbeiten und nicht als Couch-Potatoe zu Hause sitzen“. Die Idee für das Plakat hätten die Absolventen selbst gehabt. Kerstin Boenicke erinnert sich noch, wie alles anfing. „Wir haben zusammengesessen und überlegt, eine Aktion zu machen, Plakate zu kleben, um zu sagen: hier sind wir, wir sind toll und wir wollen arbeiten“, sagt die 38-jährige zukünftige Kauffrau für das Gesundheitswesen. Bei der Plakat-Aktion spielte übrigens der Tagesspiegel eine besondere Rolle: das „Forum Berufsbildung“ ersteigerte im Dezember 2005 bei der Tagesspiegel-Weihnachts-Auktion die Anzeigenfläche.

Kerstin Boenicke wird ihre Prüfung im Mai ablegen und hofft, über die Aktion gleich in den neuen Job zu starten: „Ich will arbeiten und ich kann was.“ Dass Boenicke einen Job finden wird, davon ist Forum-Geschäftsführerin Sibylle Miram überzeugt: „70 Prozent der Absolventen finden nach dem Abschluss am Forum einen Arbeitsplatz. Ich kann jedem nur raten, sich fortzubilden: Arbeitslosigkeit ist kein Schicksal.“

Auch Nihan Kanzuker ist zuversichtlich. Die 22-jährige Bürokauffrau fand die Idee mit dem Plakat gleich gut. „Das ist mal eine ungewöhnliche Aktion.“ Vor zwei Monaten legte sie ihre Prüfung ab, doch ihre Bewerbungen bleiben bislang erfolglos. „Das Problem ist, auf sich aufmerksam zu machen. Es gibt viele Leute, die was können. Aber die Chefs müssen uns auch finden“, sagt die Berlinerin. Dass sie sowohl perfekt Deutsch als auch Türkisch spreche, könne in Berlin ja nur von Vorteil sein.

Die kompletten Lebensläufe und Qualifikationen sind auf der Homepage des Forums abrufbar. Derzeit werden die Profile täglich rund 200 Mal angeklickt. Das Großplakat hängt noch bis Dienstag nach Ostern am Leipziger Platz. Schräg gegenüber ist übrigens der Bundesrat. Vielleicht, so hoffen die Jobsuchenden, fällt es ja auch noch Politikern oder Bundesrats-Vertretern auf.

Mehr Informationen im Internet: www.forum-berufsbildung.de

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