Berlin : 13. Oktober 1977

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Vor 25 Jahren berichteten wir:

BERLINER CHRONIK

Gegen den Vorstand der Spinnstofffabrik Zehlendorf AG läuft ein Bußgeldverfahren wegen Verstoßes gegen das Betriebsverfassungsgesetz. Den beiden Vorstandsmitgliedern wird vorgeworfen, sie hätten den Betriebsrat der Firma nicht rechtzeitig genug über die geplante Entlassung von etwa 700 Belegschaftsangehörigen informiert, so daß dieses Organ seine gesetzlichen Mitwirkungsfunktionen nur unzureichend habe wahrnehmen können. Im Mai hatte der Senator für Arbeit gegen die beiden Männer deshalb Bußgeldbescheide über je 15 000 DM erlassen. Sie legten Widerspruch ein. Nun trugen sie vor, die schwierige Lage des Betriebes mit zuletzt 25 Millionen DM Verlust pro Jahr sei offensichtlich gewesen. Deshalb hätte es am 12. April auf einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses auch für den Betriebsrat „nicht die geringste Überraschung“ bedeuten können, als der Vorstand „Überlegungen“ bekanntgab, rund zwei Drittel der Beschäftigten zu entlassen. Der Betriebsratsvorsitzende erklärte dagegen als Zeuge, er und seine Kollegen seien „an diesem Tag alle sehr schockiert von dieser überraschenden Mitteilung“ gewesen. Im übrigen seien fertige, detaillierte Pläne vorgetragen worden, an denen auch in späteren Verhandlungen nur noch wenig hätte geändert werden können.

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