Berlin : 13 Staatsmänner kommen zum Gipfel nach Berlin, Blair bleibt weg

Sabine Beikler

Berlins Regierender Bürgermeister kann sich über mangelnde Aufmerksamkeit auf dem internationalen politischen Bankett nicht beschweren: Sieben Staatsoberhäupter werden in den nächsten Wochen mit Eberhard Diepgen im Rahmen von Besuchen auf Bundesebene zusammentreffen. Das nächste Spitzentreffen auf höchster Ebene ist vom 1. bis 3. Juni anlässlich der Konferenz "Modernes Regieren im 21. Jahrhundert" anberaumt. Nach der Absage des britischen Premiers Tony Blair (siehe Kasten) werden insgesamt 13 Staatsgäste erwartet. Ob Eberhard Diepgen allerdings mit US-Präsident Clinton während seines Berlin-Aufenthaltes zum Beispiel durch das Brandenburger Tor marschieren wird oder zu einem Gespräch in sein Amtszimmer bitten darf - das obliegt dem Protokoll der Bundesregierung. Da kann die Senatskanzlei ihrer Hoffnung auf Shakehands noch so tiefen Ausdruck verleihen: Besuchswünsche und andere Begehrlichkeiten der jeweiligen Gesprächspartner werden vom Auswärtigen Amt koordiniert. Ein - von Berliner Seite aus angestrebtes - Treffen Clinton - Diepgen stehe noch nicht fest, so ein Außenamts-Sprecher. "Aus Erfahrung werden die amerikanischen Besuche aufgrund des großen Sicherheitsbedürfnisses diskret behandelt."

Es ist aber nicht nur der hohe Sicherheitsstandard, der die Berliner Konferenz ausmacht. Das Gipfeltreffen, das auf persönliche Einladung des Bundeskanzlers zustande kommt, nimmt im Protokoll der Bundesregierung eine eigene Kategorie ein: Eingestuft als multilaterales Treffen werden die Staatspräsidenten und Regierungschefs nicht mit militärischen Ehren empfangen und verabschiedet, wie bei einem Staatsbesuch, die höchste protokollarische Form, vorgesehen.

Pro Jahr werden vier bis fünf Staatsbesuche organisiert. Sie dauern in der Regel mehrere Tage und bieten ein umfassendes Programm für die Gäste. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac und seine Ehefrau Bernadette werden mit allen protokollarischen Ehren eines Staatsbesuches am 26. Juni in Berlin empfangen. In diesen Rahmen ist auch die Senatskanzlei eingebunden. Der Regierende Bürgermeister und Ehefrau Monika werden mit den hochrangigen Gästen nach Eintragung in das Goldene Buch der Stadt durch das Brandenburger Tor gehen.

Eine protokollarische Stufe unterhalb des Staatsbesuches stehen so genannte offizielle Besuche von Staatspräsidenten oder Regierungschefs. Sie sind kürzer und umfassen ein weitaus geringeres Programm. Im Juni werden unter anderem der Präsident der Mongolei, der Premier Singapurs und der Ministerpräsident des Staatsrates der Volksrepublik China zu offiziellen Besuchen erwartet. Auch die Senatskanzlei wird in den Ablauf einbezogen: Diepgen erwartet die Gäste zu Gesprächen oder lädt sie zur Eintragung ins Goldene Buch ein.

Arbeitsbesuche als eine weitere protokollarische Stufe sind meist auf bestimmte Inhalte ausgerichtet. Die Präsidentin von Lettland und der bolivianische Staatspräsident werden im Juni zu solchen Besuchen in Berlin erwartet. Diepgen wird auch diese Staatsoberhäupter treffen.

Für das gemeine Volk sind diese protokollarischen Gepflogenheiten übrigens recht einfach zu unterscheiden: 15 Motorräder fahren bei Staatsbesuchen in der Eskorte, maximal zwölf Weiße Mäuse sind es noch bei offiziellen Besuchen. Staatsgäste bei Arbeitsbesuchen und Außenminister müssen sich mit fünf Weißen Mäusen zufrieden geben.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben