Berlin : 1300 Polizisten bewachen 250 rechte Demonstranten

25 Festnahmen beim Protestzug der Kameradschaft Baso durch Köpenick. Bürgergruppen pfiffen die Marschierenden mit Trillerpfeifen aus

Jörn Hasselmann

Die Stimmung bei den Rechten war etwas aggressiver als sonst, vor allem, nachdem drei braune Teilnehmer von der Polizei gleich zu Beginn aus dem Demonstrationszug geholt worden waren: Sie hatten eine Parole aus der Nazizeit gebrüllt. Der Anmelder der rechtsextremistischen Kameradschaft „Berliner Alternative Südost“ (Baso), René Bethage, stoppte den Zug und verlangte ultimativ die Freilassung. Doch er verlor die Machtprobe mit Polizeieinsatzleiter Michael Knape. Dieser hatte die Auflösung der Demonstration angekündigt, wenn die Rechten die Dörpfeldstraße noch länger blockieren. Nach drei Stunden marschierten die 250 Rechtsextremisten dann weiter, anfangs noch von einigen Linken der Antifa in den Nebenstraßen begleitet.

Zu den befürchteten militanten Aktionen kam es nicht, da die Polizei gut 150 Gegendemonstranten so genannte Platzverweise erteilte und damit den Protest zerstreute. Es blieben die Anwohner, einige hundert Treptower und Köpenicker, die mit Trillerpfeifen ihren Protest kundtaten. Bezirksbürgermeisters Klaus Ulbricht (SPD) hatte dazu aufgerufen, die Neonazis entlang der Strecke auszupfeifen. Außerdem hatte er an Bewohner und Geschäftsleute appelliert, mit Plakaten an Häusern und in Schaufenstern ihren Protest zum Ausdruck zu bringen. Das war auch geschehen: Überall an den Straßen waren Plakate und grüne Luftballons zu sehen, auf denen „Gegen Nazis“ und „Nein zu Neonazis“ zu lesen war; kleine Kinder schlugen mit Löffeln auf Kochtöpfe. Ulbricht selbst beobachtete den Zug der Rechten am frühen Abend am Mandrellaplatz, in Sichtweite der NPD-Zentrale.

Die Polizei hatte wie bei der vorangegangenen Baso-Demo vor zwei Wochen Stärke gezeigt: 1300 Beamte waren im Einsatz, schweres Gerät stand in Bereitschaft. Der acht Kilometer lange Marsch vom S-Bahnhof Adlershof zum S-Bahnhof Köpenick stand unter dem Motto „Jugend braucht Perspektiven – Für die Schaffung eines Jugendzentrums“. Am Abend zog die Polizei Bilanz: sechs vorübergehende Festnahmen bei den Rechten, 19 bei den Linken. Diese hatten überwiegend gegen das Vermummungsverbot verstoßen.

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