Berlin : 1350 Polizisten schützen Drittligaspiel

Union gegen Dresden: Fans weitgehend friedlich Insgesamt 18 Personen festgenommen

Jörn Hasselmann

Von scharfen Sicherheitsvorkehrungen war gestern Nachmittag das Fußballspiel Union gegen den 1. FC Dynamo Dresden begleitet. Es kam aber zu keinen größeren Vorfällen. Nach den massiven Ausschreitungen beim Spiel der zweiten Hertha-Mannschaft gegen Dynamo im Oktober in Berlin waren gestern 1350 Berliner Beamte im Einsatz. Im Oktober waren 38 Menschen verletzt worden, darunter 23 Polizisten. Die Fans beider Vereine wurden auf verschiedenen Wegen ins Stadion an der Wuhlheide geleitet. Die rund 3000 Dresdner Fans wurden in zwei Sonderzügen und Sonderbussen zum S-Bahnhof Spindlersfeld gebracht. Von dort mussten sie 2,3 Kilometer zum Stadion „Alte Försterei“ laufen. Polizei-Einsatzleiter Michael Knape hatte die Dresdner Fans am Bahnhof mit Lautsprecherdurchsagen begrüßen lassen mit der Bitte: „Faire Spiele brauchen faire Fans.“ Rund 150 Anhänger wurden gar nicht erst bis zum Stadion vorgelassen; sie hatten verbotene Parolen gegrölt und waren teils erheblich alkoholisiert. 18 Fans wurden festgenommen. Durch die Sicherheitsmaßnahmen kam in Köpenick der Autoverkehr zum Erliegen.

Ins Stadion waren mehr als 12 000 Zuschauer gekommen, ein Block war als Puffer zwischen den beiden Fangruppen freigehalten worden. Auch während des Spiels zeigte die Polizei massive Präsenz; wobei es zwar äußerst gespannt, aber weitgehend friedlich blieb. Vor dem Stadion waren Wasserwerfer aufgefahren. Nach der Niederlage ihres Vereins machten sich die Dresdner Fans unter den Augen der Polizei auf den Fußmarsch zurück zum S-Bahnhof Spindlersfeld. Dort kam es zu Flaschenwürfen, die Polizei hatte die Situation dank ihrer massiven Präsenz aber schnell wieder unter Kontrolle.

Nach Angaben von Polizeipräsident Glietsch hatte es im Vorfeld mehrere Gespräche mit beiden Vereinen gegeben. Dabei war das Verhältnis zwischen Dynamo und der Berliner Polizei nach dem Spiel im Oktober schwer belastet. Damals hatte der Dynamo-Vorstand den Beamten überhartes Vorgehen vorgeworfen. Glietsch wiederum hatte dem Verein vorgeworfen, sich nicht ausreichend von Hooligans zu distanzieren. Wie berichtet, hatte Glietsch in dieser Woche mitgeteilt, dass die Polizei erwäge, die Einsatzkosten von den Vereinen zurückzufordern: „Es ist dem Steuerzahler auf Dauer nicht zuzumuten, dass Fußballspiele dieser Art mit derart hohem Aufwand polizeilich begleitet werden müssen.“

Auch im Stadion galten bei dieser Partie der beiden DDR-Traditionsclubs scharfe Sicherheitsvorkehrungen. So wurde kein Alkohol ausgeschenkt, Taschen und Gepäck waren verboten. Dynamo Dresden hatte seine Fans im Vorfeld aufgefordert, antisemitische Parolen zu unterlassen. Der Schiedsrichter würde bei Gesängen wie „Juden Berlin“ das Spiel unterbrechen, warnte die Vereinsführung.

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