Berlin : 14 Grad – die Primeln blühen Frühlingsgefühle und Frühjahrsmüdigkeit

Christoph Stollowsky

Den Vögeln wird es warm ums Herz, sie zwitscherten gestern früh in den Gärten drauf los, als wollten sie schon ihre Nester bauen. „Der Januar“, sagt der Sprecher der Berliner Forstbetriebe, Marc Franusch, „spielt ein wenig verrückt. “ Aber so schnell würden Tiere und Pflanzen dann doch nicht wegen eines kurzen Frühlings-Intermezzos ihre jahreszeitlichen Gewohnheiten aufgeben.

Nur ein bisschen. Deshalb blühten im Botanischen Garten in Steglitz gestern schon die ersten Schneeglöckchen und stengellosen Primeln, einige Tage früher als üblich. Auch die winterblühenden Sträucher kann man dort schon bewundern „und den Duft genießen“, sagt die Sprecherin des Gartens, Brigitte Zimmer. Wolken wie aus süßlichem Parfum wehen aus den „Schneeball“-Büschen, auch der Winterjasmin entfaltet schon seine Reize – während die Gärtner im Glashaus ihre traditionelle Frühjahrsausstellung vorbereiten: „Die Welt steht Kopf – Blühendes im Winter“, heißt diese Schau ab 22. Januar mit Kamelien und tausenden Primeln. „Es kann ja wieder kalt werden“, tröstet sich Brigitte Zimmer, „dann ist unsere Schau doch noch etwas Besonderes.“ Angst vor einer Schädlingsinvasion wegen des Wärmeeinbruchs hat sie nicht. Das sieht der Pflanzenschutz-Experte der Technischen Fachhochschule Berlin, Hartmuth Balder, ähnlich. Immerhin habe es in diesem Winter schon Frostperioden gegeben, sagt er. „Unterm Laub und in der Erde, wo die Eier und Larven lagern, ist es ja noch kalt.“

Selbst Gartenfreunde können sich deshalb an diesem Wochenende unbeschwerten Frühlingsgefühlen hingeben. Es sei denn, sie leiden bereits unter Frühjahrsmüdigkeit, weil ihnen die Temperaturschwankungen zu schaffen machen. „Kreislauflabile Menschen klagen jetzt öfter in meine Praxis über Mattigkeit oder Schwindel“, sagt der Moabiter Internist Frank Schlote. Er selbst fühlt sich vom frühen Lenz eher gestärkt und zog gestern zum Joggen sogar kurze Hosen an.

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