Berlin : 14. Oktober 1977

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Vor 25 Jahren berichteten wir:

BERLINER CHRONIK

Der Ost-Berliner Korrespondent der britischen Nachrichtenagentur Reuters ist vom DDR-Außenministerium wegen der Berichterstattung seiner Agentur über die Tumulte am vergangenen Freitag auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin verwarnt worden. Die Nachrichtenagentur hatte unter Berufung auf zuverlässige Quellen berichtet, daß bei diesen Vorfällen zwei „Volkspolizisten“ und ein junges Mädchen umgekommen sein sollen. Wie die Agentur am Abend in Bonn bestätigte, erklärte ein Sprecher des DDR-Außenministeriums dem Korrespondenten, der Bericht habe „von A bis Z erfundene und erlogene Angaben“ enthalten. Einer ADN-Meldung über die Vorfälle, in der lediglich von Verletzten die Rede war, habe er nichts hinzuzufügen, sagte der Sprecher. Auch nach den der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Augenzeugenberichten besteht kein Anhaltspunkt dafür, daß es Tote gegeben hat. Bei den heftigen Prügeleien hat es, aus dem Einsatz von Rettungsfahrzeugen zu schließen, jedoch zahlreiche Verletzte gegeben. Rufe, wie „Biermann her“, „Russen raus“ und „Deutschland erwache“ seien aus der etwa 1000köpfigen Menge zu hören gewesen. Ein Polizist sei von aufgebrachten Menschen ausgezogen und nackt über den Platz gejagt worden, berichteteten die Augenzeugen.

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