Berlin : 15 Angeklagte, 30 Anwälte, 200 Meter Akten

Es wird einer der größten Wirtschaftsprozesse der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland. 15 hochkarätige Bankmanager sitzen wegen der Affäre um die Berliner Bankgesellschaft von diesem Freitag an im Landgericht auf der Anklagebank.

Berlin (28.07.2005, 17:23 Uhr) - Unter ihnen ist der ehemals mächtigste Mann im Berliner Politik- und Wirtschafts- Filz der 80er und 90er Jahre: Klaus Landowsky, früher Berliner CDU- Fraktionsvorsitzender und gleichzeitig Vorstandssprecher der Bank Berlin Hyp. Die Anklage lautet auf schwere Untreue.

Flankiert wird Landowsky unter anderem von den beiden früheren Vorstandschefs der Bankgesellschaft, Wolfgang Rupf und Wolfgang Steinriede, die auch Aufsichtsratsvorsitzende der Konzerntochter Berlin Hyp waren. Dazu kommen weitere ehemalige Vorstandskollegen, die im größten Saal des alten Gerichtsgebäudes Platz nehmen werden. Das Verfahren dauert mindestens bis Anfang 2006, vermutlich aber sehr viel länger. Jahrelang bereitete die Staatsanwaltschaft die Verhandlung vor, die Regale voll Akten sind 200 Meter lang.

In dem Mammut-Prozess geht es um höchst risikoreiche Kredite in Höhe von 240 Millionen Euro (470 Millionen Mark), die die Berlin Hyp Mitte der 90er Jahre an den Immobilienkonzern Aubis vergab. Aubis kaufte mit dem Geld tausende Plattenbauwohnungen in Ostdeutschland - viel zu teuer allerdings, wie sich später heraus stellte. Die Kredite galten zunehmend als unsicher. Viele Immobilien in den neuen Ländern hatten in den Folgejahren immer mehr Wert verloren.

Laut der 750 Seiten dicken Anklageschrift soll der Bank dadurch ein Risiko in Höhe von 78 Millionen Euro (153 Millionen Mark) entstanden sein. Bei der Bewilligung der Kredite sollen neben Verstößen gegen gesetzliche Vorschriften auch veraltete Unterlagen verwendet und hohe Risiken nicht berücksichtigt worden sein.

Politisch wurde der Fall Anfang 2001 brisant und beendete zügig die Karriere Landowskys in Bank und CDU. Damals wurde bekannt, dass die beiden Aubis-Geschäftsführer - zwei langjährige Berliner CDU- Politiker - 40 000 Mark an ihre Partei gespendet hatten; das Geld übergab einer von ihnen in bar dem Parteifreund Landowsky in dessen Bankbüro.

Über diese Affäre platzte die große Koalition von CDU und SPD: Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), ein alter Freund Landowskys wurde abgewählt, Klaus Wowereit (SPD) sein Nachfolger. Die Bankgesellschaft als Mutterkonzern der Berlin Hyp konnte nur durch staatliche Milliardenhilfen vor der Pleite gerettet werden.

Die Angeklagten weisen einhellig die Vorwürfe zurück. Die Verteidiger fordern Freispruch und argumentieren, die Bewilligung der Kredite sei durchaus vertretbar gewesen. Etwa 30 Rechtsanwälte werden auf der Seite der Angeklagten auftreten, darunter viele prominente Strafverteidiger und Star-Anwälte, die Erfahrung etwa in der Flick- Affäre oder Berliner Tempodrom-Affäre sammelten und schon früher bekannte Klienten vorweisen konnten: Helmut Kohl, Johannes Rau, Wolfgang Schäuble, Max Strauß oder Egon Krenz.

Für Landowsky ist es in der Bank-Affäre nicht der erste Prozess. In einem Zivilverfahren konnte er bereits einen Sieg verzeichnen. Seine frühere Bank hatte Schadenersatz verlangt und ihn verklagt. Die Klage wurde abgewiesen. Eine Pflichtverletzung sei nicht erkennbar gewesen, hieß es im Frühjahr dieses Jahres in der Begründung. (Von Andreas Rabenstein, dpa)

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