Berlin : 15-Jähriger stürmt mit Beil in Spandauer Hauptschule

Nach einem Streit drohte der Schüler einem Klassenkameraden mit Mord Der Täter war bereits wegen seiner „Gewaltproblematik“ bekannt

Jörn Hasselmann

Ein 15-Jähriger ist gestern mit einem Hackbeil in seine Spandauer Schule eingedrungen, um einen ein Jahr älteren Mitschüler anzugreifen. Da die Lehrerin des Zehntklässlers aus Angst das Klassenzimmer abgeschlossen hatte, rüttelte der 15-Jährige Tranh N. (Namen geändert) vergeblich an der Tür, dann flüchtete er. Er wurde wenig später von der Polizei zu Hause festgenommen, das Hackbeil mit einer 30-Zentimeter-Schneide sichergestellt. „Wir sind haarscharf einem Blutbad entgangen“, sagte Klaus Übler von der Heinrich-Hertz-Hauptschule. Schulsenator Klaus Böger (SPD) telefonierte am Vormittag mit dem Schulleiter und kündigte an, dass der aus Vietnam stammende Schüler in ein „Projekt“ überwiesen werde, wenn er wieder frei sei. Der 15-Jährige soll heute dem Haftrichter vorgeführt werden, mit dem Ziel, ihn in der Jugendpsychiatrie unterzubringen.

Vorausgegangen war ein Streit kurz vor Schulbeginn. Dabei soll der Zehntklässler, Bülent B., den Jüngeren provoziert haben. Wie es hieß, mit der Frage: „Was guckst du?“ Auch der aus Kroatien stammende Bülent ist nach Angaben Üblers „kein Kind von Traurigkeit“. Deshalb geriet der Streit zur Schlägerei, die von einer Lehrerin geschlichtet wurde. Daraufhin schrie Tranh N.: „Ich gehe nach Hause – und komme wieder und bring’ dich um.“

Nach dieser Drohung informierte die Lehrerin sofort Schulleiter Übler, der rief die Polizei. Denn Tranh N. ist wegen seiner „Gewaltproblematik“ bekannt, sagte der Schulleiter. „Wenn er erregt ist, ist er mit Worten oder Taten nicht mehr zu stoppen.“ Deshalb habe man sofort die Polizei gerufen. 15 Minuten später war Tranh N. tatsächlich wieder da – mit dem Beil bewaffnet und mit einem Messer im Rucksack. Zunächst rannte er in seine Klasse und brüllte: „Wo ist Bülent?“ Danach lief er zum benachbarten Klassenzimmer und versuchte dort einzudringen. Als ihm dies nicht gelang, flüchtete er. Kurz danach kam die Polizei.

Der Junge war erst vor zwei Wochen an die Hertz-Schule gewechselt. Zuvor hatte er eine Sonderschule besucht, dort sei er jedoch unterfordert gewesen, sagte Übler. Man habe gewusst, dass der Junge verhaltensauffällig und wegen Aggressionsattacken auch polizeibekannt sei. Seine Prognose durch den Schulpsychologischen Dienst sei gut gewesen, sagte Übler. Seine Entwicklung sei gerade bei einem Kongress zur Gewaltprävention von einer Jugendrichterin gelobt worden.

Einige besorgte Eltern holten gestern kurz nach dem Vorfall ihre Kinder aus der Schule am Lenther Steig ab. Etwa ein Drittel der 215 Kinder sind Ausländer, die Schule wirbt selbst für sich mit den Worten: „Die Schule ist sehr klein und damit gut überschaubar, so dass auf brisante Situationen sehr unmittelbar und angemessen reagiert werden kann.“ Senator Böger lobte das Kollegium gestern „für das umsichtige Verhalten“.

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