Berlin : 15 Jahre Herzzentrum: Ein Herz für die Patienten

Ingo Bach

Das Deutsche Herzzentrum Berlin feiert heute mit einem Festakt seinen 15. Geburtstag. Der medizinische High-Tech-Standort in den alten Gemäuern des Virchow-Klinikums in Wedding hat sich auf dem renomee-trächtigen Gebiet der Herztransplantationen und der Kunstherzforschung einen internationalen Namen gemacht. Doch der Schwerpunkt liegt bei den Operationen am offenen Herzen. In wenigen Tagen erfolgt der 40 000. Eingriff.

"Manche hielten das Herzzentrum bei der Eröffnung 1986 für überdimensioniert", sagte der Ärztliche Direktor des Herzzentrums, Roland Hetzer, gestern auf einer Pressekonferenz. "Doch als nach der Wende Patienten aus den neuen Ländern kamen, mussten wir bald sogar das Haus erweitern." Die 1983 vom Abgeordnetenhaus beschlossene Herzklinik war so ausgelegt, dass jährlich 2500 Operationen am offenen Herzen möglich waren. Heute sind es tausend mehr.

Chefchirurg Hetzer hat einige Patienten zur Pressekonferenz eingeladen, die die Erfolgsgeschichte der Klinik untermauern sollen. Das laute Klappern von zwei künstlichen Herzen ist kaum zu überhören. Für die Patienten ist es die Bestätigung, dass es für sie noch Hoffnung gibt. Denn die Mediziner setzen Kunstherzen ein, um die Wartezeit zu überbrücken, bis Spenderorgane zur Verfügung stehen. Und manchmal können die Geräte sogar mehr. 1995 bewies das Herzzentrum, dass ein Kunstherz das natürliche Herz so entlastet, dass eine Transplantation nicht mehr erforderlich war.

Mittlerweile gibt es sogar schon Kunstherzen für Kinder. Doch Hetzer will die Geräte nicht nur als Lückenbüßer. "Eines Tages wird es Kunstherzen geben, die mitwachsen." Eine notwendige Alternative, denn nach wie vor ist der Bedarf an Spenderorganen größer als das Angebot. "Wir könnten viermal soviele Transplantationen durchführen, wenn genug Organe zur Verfügung stünden", sagt die Pressesprecherin des Herzzentrums, Barbara Nickolaus. Derzeit sind es jährlich rund 100 Verpflanzungen.

Immer wieder wird kolportiert, dass ein Großteil der Organ-Transplantationen scheitere. Denn die Abstoßung von verpflanzten Organen ist ein großes Problem. Trotzdem sei die Erfolgsquote hoch, sagt Nickolaus. "80 Prozent der Verpflanzungen glücken." Doch nicht immer können die Ärzte das Leben ihrer Patienten retten. Wie hoch die Sterberate des Herzzentrums ist, darüber will die Pressesprecherin jedoch keine Angaben machen.

"Transplantationen und künstliche Herzen sind sicher die spektakulärsten Tätigkeitsfelder des Herzzentrums", sagt Chefchirurg Hetzer. "Aber sie machen nur ein Bruchteil unserer Arbeit aus. Am Häufigsten sind Operationen am offenen Herzen." In wenigen Tagen werde man die 40 000 derartige Operation ausführen. Dafür beschäftigt die Klinik 1200 Mitarbeiter. 1986 hatte man mit 200 gerechnet.

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