Berlin : 15 Sitzenbleiber sind zu viel: Hauptschule löst 8. Klasse auf

Constance Frey

Notendurchschnitt 6,0 und das gleich fünf Mal: Die Klasse 8a der Charlottenburger Oppenheim-Oberschule hat damit einen Negativrekord gebrochen, und, wie es aussieht, damit ihr Ende besiegelt. Insgesamt 15 von 22 Schülern der Hauptschulklasse bleiben sitzen. Daher hat Schulleiter Helmut Dettmer-Besier beschlossen, die Klasse aufzulösen. Die versetzten Schüler werden in Parallelklassen verteilt, sechs Sitzenbleiber kommen in einer der 8. Klassen unter. Für neun Schüler endet die Zeit an der Oppenheim-Oberschule. Sie waren schon einmal sitzen geblieben und haben die gesetzlich vorgeschriebenen zehn Schuljahre hinter sich.

Die Problemschüler haben vor allem durch Abwesenheit geglänzt. „Ein Teil von ihnen sind Dauerschwänzer“, sagt Helmut Dettmer-Besier, „sie suchen sich aus, zu welchem Unterricht sie erscheinen.“ Für den Schulleiter ist der Fall dieser Klasse eine absolute Ausnahme. Er hat in der Klasse Chemie unterrichtet und bezeichnet die Problemschüler als sehr unkonzentriert und zum Teil hyperaktiv. „Ein kontinuierlicher Unterricht war schwierig, weil die Schüler nie auf dem gleichen Wissensstand waren.“ In seinen anderen 19 Hauptschulklassen bleiben etwa zehn Prozent der Schüler sitzen. Was bei der 8a passiert, bezeichnet er als „etwas unglückliche Zusammensetzung“. Die Schüler hätten sich gegenseitig zum Schwänzen angespornt.

Um zu retten, was zu retten war, hat Helmut Dettmer-Besier während des Schuljahrs einen Klassenlehrer eingesetzt, der früher Polizist war. „Er hat es geschafft, das Schminken im Unterricht zu verbieten. Aber der Zug war schon abgefahren.“ Auch die Idee der Pädagogen, die Klasse in eine berufsorientierte Praxisklasse umzuwandeln, schlug fehl – die Schüler schlugen das Angebot aus, weil sie meinten, es handele sich dabei um eine eigens eingerichtete „Deppenklasse“.

Nun hat sich im Falle 8a die Schulaufsicht eingeschaltet, um den Vorgang zu prüfen. Nach dem neuen Schulgesetz dürfen Hauptschüler nur in der achten Klasse sitzen bleiben, wenn klar ist, dass sie ihren Abschluss in der neunten Klasse nicht schaffen werden. Das sieht Schulleiter Dettmer-Besier als gegeben an. Die Hauptschuld dafür gibt er den Eltern, die sich nicht um ihren Nachwuchs kümmern. Jeden Freitag verschickt die Schule Briefe mit den Fehlzeiten der schwänzenden Kinder. Die Eltern hätten diese Briefe durchgehend ignoriert.

In Berlin haben 2002 etwa 1,3 Prozent der Schüler über 40 Tage Unterricht verpasst. Wie ernst das inzwischen auch von den Politikern genommen wird, zeigt ein Vorstoß des Bildungssenators Klaus Böger. Der lässt seit Februar prüfen, ob es rechtlich möglich sei, Sozialhilfeempfängern Mittel zu streichen, wenn sie ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen.

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