Berlin : 15 Stunden Freiheit: Junger Serientäter sofort rückfällig

17-Jähriger kam aus dem Gefängnis und wurde kurz darauf bei einem Einbruch ertappt. In der Polizeikartei wird er jetzt mit 96 Fällen geführt

Jörn Hasselmann

Er kann es nicht lassen. Eineinhalb Jahre Jugendstrafe hatte ein erst 17-Jähriger gerade erst abgesessen, 15 Stunden nach der Entlassung am Mittwochmorgen saß er wieder im Polizeiauto – geschnappt bei einem Einbruch in ein Reisebüro. Es war Einbruch Nummer 96. Jetzt sitzt er wieder im Gefängnis, ebenso sein 17 Jahre alter Komplize. Ein Richter erließ Haftbefehle gegen die beiden. Zwar ist auch der Komplize aus Steglitz der Polizei kein Unbekannter – er ist mehrfach wegen Diebstahls und Raubes aktenkundig. Doch die kriminelle Karriere seines Kumpanen hat es in sich. Wegen der vielen Einbrüche wird er als Intensivtäter bei der Polizei geführt. Das bedeutet, dass ein- und dieselbe Dienststelle alle Taten des Jungen bearbeitet und so den Überblick hat. Sonst ermitteln je nach Tatort die Kriminalpolizisten der sechs Polizeidirektionen – und die kriegen es nicht mit, wenn ein Täter an verschiedenen Orten auffällt.

Kurz nach Mitternacht am Donnerstagfrüh war den Zivilpolizisten vor dem Reisebüro am Mariendorfer Damm aufgefallen, dass zwei Jugendliche das Gebäude von allen Seiten gründlich inspizierten. Sie stoppten ihre Streife – und warteten. Wie sich zeigte, hatten sie den richtigen Riecher, denn kurze Zeit später ging die Alarmanlage des Reisebüros los. Dann sahen die Polizisten, wie zwei Personen schnell auf ihre Fahrräder stiegen und davonstrampelten. Die Festnahme der beiden 17-Jährigen war nach kurzer Verfolgung eine leichte Übung für die Polizei. Bei beiden Jugendlichen fanden die Beamten Einbruchswerkzeug. Damit hatten sie das Fenster des Büros aufgehebelt, wegen der anschlagenden Alarmanlage konnten sie jedoch nichts mehr entwenden. Reisebüros scheint der jugendliche Intensivtäter zu bevorzugen. Denn auch im August 2001 war er auf frischer Tat nach einem Einbruch in ein Reisebüro festgenommen worden – das war damals nach Zählung der Polizei Einbruch Nummer 56.

Überrascht waren die Beamten damals, dass der Jugendliche schon auf der Fahndungsliste der Polizei stand, denn er war ja gerade erst strafmündig geworden. Kurz zuvor (Flucht am Sonntag, Festnahme Stunden später in der Nacht zu Montag übrigens) war der damals 14-Jährige aus der geschlossenen Abteilung der Jugendpsychiatrie Wiesengrund geflohen. Dort sollte seine geistige Reife untersucht werden.

Nach dieser Festnahme kam der Junge zurück in die geschlossene Psychiatrie des Krankenhauses. Später wurde er verurteilt: eineinhalb Jahre Haft wegen der 56 Einbrüche. Unklar blieb gestern, wann der Junge die Einbrüche Nummer 57 bis 95 begangen hat. Denkbar ist, dass diese weiteren Taten erst im Prozess bekannt wurden, der gegen ihn als Jugendlichen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand.

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