150 Jahre Club von Berlin : Das Auf und Ab hat Tradition

Der Club von Berlin hat eine lange Tradition. Im Kaiserreich war er ein Forum für bekannte Politiker und Künstler. Nach der Wiedervereinigung wurde er zu einem Austauschplatz für Neuberliner - auch, weil endlich Frauen zugelassen waren.

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Die Hamburger Landesvertretung in Berlin - gebaut 1925 als Haus für den Club von Berlin.
Die Hamburger Landesvertretung in Berlin - gebaut 1925 als Haus für den Club von Berlin.Foto: dpa

Bei der Gründung war er ein vornehmer Herren- und Wirtschaftsclub, so was gab es auch in London und anderen europäischen Hauptstädten. Politiker wie Walter Rathenau und Gustav Stresemann nutzten die Chance im Club von Berlin „zur geselligen Vereinigung und Unterhaltung“ ebenso wie der Chirurg Ferdinand Sauerbruch und der Komponist Richard Strauss. Bei der Gründungsversammlung am 8. Oktober 1864 gab es 179 Mitglieder, 1925 waren es schon 673.

Heute feiert der Club sein 150. Jubiläum in den Räumen der Hamburger Landesvertretung in der Jägerstraße 1 in Mitte, einem Haus, 1892/93 errichtet als „Club von Berlin“.

Damals gehörten zum Clubleben Bibliothek und Kegelbahn, ein feines Restaurant und ein Weinkeller. Der Club war eines der wichtigsten Zentren des informellen Gedankenaustauschs – und symbolisiert die Berg- und Talfahrt des Bürgertums in Berlin. Denn mit der Nazi-Herrschaft begann der Niedergang. In dieser Zeit spielte der Club keine prominente Rolle mehr, fusionierte Ende der 30er Jahre mit dem Deutschen Club. Nach dem Ende des Krieges übertrugen die Sowjets das Clubhaus auf den späteren Kulturbund der DDR. 1949 wurde das Haus enteignet. Zwar gab es nach 1945 noch Aktivitäten in West-Berlin, und sogar prominente Mitglieder wie den Banker Hermann Josef Abs, aber die Zahl der Mitglieder schrumpfte bis zum Ende der 80er Jahre auf 25.

Forum für Neuberliner

Die Renaissance kam nach der Wiedervereinigung, als immer mehr Neuberliner in die Stadt strebten und das Bürgertum stärkten. Im November 1993 erfolgte der Aufbruch mit einer neuen Satzung. Endlich wurden auch weibliche Mitglieder zugelassen. In den historischen Räumlichkeiten in der Jägerstraße 1 sitzt heute die Hamburger Landesvertretung, die dem Club zwei Räume vermietet hat. Dort kommen die Mitglieder zu Vortragsveranstaltungen zusammen, manchmal machen sie auch Informationsausflüge. Mal geht es ins Berliner Rathaus mit dem Architekten, der für den Umbau verantwortlich war, mal in die syrisch-orthodoxe Gemeinde, mal wird mit dem Afrikabeauftragten der Bundesregierung diskutiert. Es geht darum, Freundschaften zu pflegen, sich gemeinsam die Stadt in allen ihren Facetten zu erschließen, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Für die Zuzügler, die nach dem Regierungsumzug in die Stadt kamen, sei der Club eine wichtige Institution gewesen, um die Stadt und ihre Menschen besser kennenzulernen, sagt der Vorsitzende Hartmut Kühne, der als Referatsleiter in einem Bundesministerium erst später an die Spree kam. Über Mitglieder äußert er sich nur mit äußerster Zurückhaltung. Der kürzlich verstorbene Umzugsunternehmer gehörte dazu. Und der Bundespräsident ist auch drin. Heute zählt der Club wieder rund 300 Mitglieder, darunter viele Geistesmenschen und Künstler. In aktuelle politische Debatten mischt sich der Club nicht ein, aber die Mitglieder sollen Impulse bekommen.

Beim Festakt zum Geburtstag spricht Staatsministerin Monika Grütters, Herfried Münkler von der Humboldt-Universität hält die Festrede. Ansonsten ist es eher nicht die Sache dieses Clubs, sich mit prominenten Gästen zu schmücken. Es geht vor allem um die Förderung von internationaler Gesinnung und Toleranz auf allen Gebieten der Kultur sowie um den Völkerverständigungsgedanken und die Förderung von Bildung, Kunst und Kultur.



Weitere Informationen im Internet

www.clubvonberlin.de

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