Berlin : 150 Meter Currywurst

Lehrreich statt lecker: Das Bundesinstitut für Risikobewertung lockt in ein Pflanzenlabyrinth

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Garantiert vegetarisch. Aus Mais und anderen Pflanzen entstand in Marienfelde eine Currywurst in Comic-Manier. Foto: Promo
Garantiert vegetarisch. Aus Mais und anderen Pflanzen entstand in Marienfelde eine Currywurst in Comic-Manier. Foto: Promo

Wüssten wir nicht, dass es Spätsommer ist und ein leibhaftiges Bundesinstitut keine Späße macht, dann läge es nahe, einen Aprilscherz zu vermuten oder nach der versteckten Kamera zu suchen. Ein Currywurst-Labyrinth? In Marienfelde? Bei näherem Hinsehen erweist sich das Projekt dann aber doch als real, heiter und informativ. Entwickelt haben es Mitarbeiter der Universität Kassel, gefördert wird es von der Unesco.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung mit Sitz in Berlin verfügt drunten am Stadtrand über eine Grünfläche, die bereits im letzten Jahr zu einer ähnlichen Aktion genutzt wurde: Damals pflanzte man die Form einer riesigen Kuh ins Gelände und implantierte ihr einen kleinen Lehrpfad, der sich vor allem an Schulkinder richtete und auf spielerische Weise mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen vertraut machte. So ist es auch diesmal, nur, dass die Grundlage der Anpflanzung eine 150 Meter lange Currywurst ist, genauer: eine Art Comiczeichnung, die eine vermenschlichte Wurst in Rückenlage nebst Ketchup und Pommes zeigt. „Wer sie richtig sehen will, muss drüber fliegen“, sagt Institutspräsident Andreas Hensel. Aber die Form lässt sich auch mithilfe des Informationsmaterials nachvollziehen.

Umgesetzt wurde dieses Bild mit allerhand Nutzpflanzen, vor allem Mais, der einen dichten Wald bildet; den Ketchup stellt roter Amaranth dar. Die Grundidee besteht darin, dass auf Schildern an verschiedenen Stellen des Labyrinths Behauptungen aufgestellt werden, also etwa: Pommes gelingen am besten, wenn sie bei mindestens 200 Grad frittiert werden. Richtig oder falsch? Wer die unzutreffende Lösung wählt, wird in die Irre geleitet, kann sich aber unterwegs auf anderen Info-Tafeln über Pommes und das gefährliche Acrylamid aufklären lassen.

Knapp war es in diesem Jahr mit dem gesamten Projekt, das gibt Hensel zu: „Der Sommer war sehr trocken, und wir wollten das Ganze schon abblasen, weil der Mais nicht rechtzeitig hoch genug wurde.“ Mit viel Bewässerung und Regen hat es nun aber doch noch zu knapper Labyrinthhöhe gereicht. Etwa eine Stunde dauert der Rundgang, bevor der Ausgang wieder erreicht ist. Dort wartet, was sonst, eine Currywurstbude auf die hungrigen Wanderer. Wer die Wurst dort in normalen Mengen zu sich nimmt, der gehe kein Risiko ein, verspricht Risikobewerter Hensel. Bernd Matthies



Diedersdorfer Weg 1 in Marienfelde (ausgeschildert ab der Kreuzung Nahmitzer Damm/Marienfelder Allee). Bis 3. Oktober, Di-So 10-18 Uhr, Eintritt Kinder 1 Euro, Erwachsene 2 Euro, Familien 5 Euro. Die Termine für Schulklassen sind schon weitgehend ausgebucht.

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