Berlin : 1500 Umzugskisten mit allem, was Recht ist

Struppe & Winkler verlegt seine Fachbuchhandlung von der Potsdamer Straße in die Mohrenstraße

Tanja Buntrock

Hier schafft der Chef noch selbst. Stefan Mentzel steht auf der Leiter und keucht. Er richtet gerade eines der „Struppe & Winckler“-Schilder am neuen Geschäft aus. „Die sind aber nur provisorisch, bis die richtige Außenwerbung kommt“, ruft der 43-jährige Geschäftsführer von der Leiter herunter. Schweißperlen stehen ihm und seinen Mitarbeitern, die unten mit allerlei Werkzeug herumwuseln, auf der Stirn.

Um 18 Uhr sind am Freitag die Lichter der Traditionsbuchhandlung für Recht, Wirtschaft und Steuern in der Potsdamer Straße 103 in Tiergarten erloschen. Für immer. Die Buchhandlung „Struppe & Winckler“ ist umgezogen und eröffnet morgen ihr neues Geschäft in der Mohrenstraße in Mitte am Gendarmenmarkt. Deshalb sind all seine 35 Mitarbeiter übers Wochenende in alten Umzugsklamotten gekommen, um mit anzupacken. Rund 1500 Kartons mit schwerer Fachliteratur sind auszupacken und in die neuen Regale im Laden einzusortieren, Kabel müssen verlegt und Computer angeschlossen werden. Dafür wurden ausnahmsweise am Sonnabend sogar die beiden kleineren Filialen am U-Bahnhof Thielplatz und in der Garystraße in Dahlem geschlossen.

Auf insgesamt 1000 Quadratmetern hat Struppe & Winckler sich am neuen Standort ausgeweitet. Hier, in dem Büro- und Geschäftshaus Emporium, ist auch die Bundesnotarkammer untergebracht. Das Ganze soll schon bald ein „Haus der Justiz“ werden, schwärmt Mentzel. Welche großen Kanzleien sich hier dann mal niederlassen werden, will er aber nicht verraten. Stolz deutet der Geschäftsführer auf die riesige Stahlskulptur im Innenraum: soll Das kinetische – sich also ständig bewegende – Kunstwerk von Hans-Michael Kissel soll die „Waage der Justiz“ darstellen.

Im neuen Verkaufsladen, der rund 150 Quadratmeter in Anspruch nimmt, riecht es natürlich noch „neu“ – der Teppichkleber wird aber am Montag nicht mehr wahrzunehmen sein. Vom Laden geht es weiter in die verschiedenen Abteilungen: der EDV-Bereich, die Buchbinderei, der Versandservice, das Antiquariat, die Marketingabteilung, der Kundenservice sowie die Geschäftsbüros und ein Konferenzraum in der oberen Etage.

Die Potsdamer Straße „mit den vielen Billigläden und Imbissbuden“ sei einfach zu unattraktiv geworden für die Kundschaft, sagt Mentzel. Und auch bei Lesungen und Empfängen für die Großkunden – unter anderem Bundesbehörden, Großunternehmen und Kanzleien – sei die Potsdamer Straße als Adresse einfach nicht mehr angemessen gewesen. Und dann war da noch das Problem mit der Miete: „Übertrieben hoch war die für die Fläche“, sagt Mentzel. Fast „fuchsbauartig“ habe man sich dort auf 700 Quadratmetern zusammengedrängt. Doch ein wenig wehmütig sind Mentzel und seine Mitarbeiter schon. Immerhin, über 100 Jahre bestand die Buchhandlung in der Potsdamer Straße. Nachdem das Unternehmen 1890 von Paul Hugo Struppe und Karl Winckler 1890 gegründet worden war, bezog die Buchhandlung 1902 die Räume in der Potsdamer Straße. Besonders charakteristisch für die Fachbuchhandlung waren die riesigen 3,30 Meter hohen, braunen Holzregale, in die sogar gedrechselte Säulen eingearbeitet sind. Diese Regale, die fast 160 Meter lang sind, wenn man sie aneinanderstellte, stehen noch im Geschäft in der Potsdamer Straße. Ebenso wie zwei Ladentresen. Bis zum 31. Dezember läuft der Mietvertrag noch. „Bis dann müssen die Regale raus. Wir nehmen gern Kaufangebote entgegen“, sagt Mentzel. Auch an eine Versteigerung habe man schon gedacht.

Für einen kurzen Moment legt Mentzel eine Pause in seinem neuen Büro ein. Vor dem Konferenzraum hängt das Porträt des Gründers Struppe. Mentzel lehnt sich in seinem Stuhl zurück und schaut aus dem Eckfenster: vor ihm der Deutsche Dom. Was für Aussichten.

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