Berlin : 15000 Polizisten sollen Berlin schützen

Woche der Großveranstaltungen bis zum 1. Mai: Innensenator Körting will bei Krawallen schneller durchgreifen

Jörn Hasselmann

Berlin. Die Berliner Polizei muss sich auf die arbeitsreichste Woche seit Jahrzehnten einstellen. 15 000 Polizisten werden in Berlin im Einsatz sein. Zunächst müssen sie die OSZE-Konferenz zum Antisemitismus sichern, anschließend den Staatsakt zur EU-Erweiterung. Mehrere Gegendemonstrationen werden erwartet sowie in der Nacht zu Sonnabend die Walpurgisnacht, die für die linksextremistische Szene den Auftakt zu den Mai-Krawallen bildet. Am 1. Mai demonstrieren sowohl die Neonazis in Berlin als auch die autonome Szene. Bereits gestern abend gab es eine Bombendrohung gegen das Hilton-Hotel, das sicherheitshalter geräumt wurde.

Nach den Angaben eines leitenden Polizeibeamten hat es eine derartige Ballung von Großereignissen in Berlin „noch nie gegeben“. Unterstützung erhalten die rund 8000 Berliner Beamten aus zehn Bundesländern und vom Bundesgrenzschutz. Die ersten dieser Beamten kommen bereits am Dienstagabend. Erstmals sollen diese Polizisten schon an ihren Heimatorten von Berliner Kollegen auf den Einsatz vorbereitet werden. Beim Besuch von US-Präsident George W. Bush im Mai 2002 waren 10 000 Beamte in Berlin im Einsatz gewesen.

Am Mittwoch treffen gleich zwei Politiker in Berlin ein, die einen besonderen Personenschutz erfordern: US-Außenminister Colin Powell und der israelische Staatspräsident Mosche Katsav. Powell wird wie andere Außenminister an der Antisemitismus-Konferenz der 55 OSZE-Staaten teilnehmen, die im Auswärtigen Amt stattfindet. Katsav kommt zu einem zweitägigen offiziellen Staatsbesuch in die Stadt. Das Hotel Intercontinental, in dem Politiker mit besonderer Gefährdungsstufe wohnen werden, wird scharf bewacht. Der Schutz für Powell und Katsav werden Berlin eine Million Euro kosten, unter anderem für den Einsatz von Polizisten aus anderen Bundesländern. Am Freitag wird mit einem Staatsakt am Gendarmenmarkt mit mehreren hundert hochrangigen Gästen die Erweiterung der Europäischen Union gefeiert. Dagegen macht die autonome Szene mobil. Nach einer Demonstration mit bis zu 2000 Personen findet in der Nacht zum Sonnabend im Bezirk Prenzlauer Berg die Walpurgisnacht statt, mit der in den vergangenen Jahren die Mai-Krawalle begannen.

Mindestens 8000 Polizisten werden allein am 1. Mai im Einsatz sein. 2500 Neonazis werden beim Aufmarsch im Ostteil der Stadt erwartet. Gegendemonstranten wollen versuchen, den Zug zu blockieren. Am Nachmittag des 1. Mai beginnt die so genannte Revolutionäre 1.-Mai-Demo. Die Route steht noch nicht fest, da die Polizei den Start am Potsdamer Platz verboten hat. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) kündigte an, dass die Polizei schneller bei Krawallen einschreiten wird.

Die anonyme Bombendrohung gegen das Berliner Hilton-Hotel ging am frühen Abend ein. Am späten Abend gab die Polizei Entwarnung: Eine Bombe hat sie nicht gefunden.

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