16. Berliner Bierfestival : Volksfestbetreiber schäumen über

Auf dem 2,2 Kilometer langen Abschnitt der Karl-Marx-Allee zwischen Strausberger Platz und Frankfurter Tor gibt es über 2000 verschiedene Biersorten von 300 Brauereien aus 86 Ländern. Aber die Veranstalter von Straßenfesten sind auch sauer auf die Gema.

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Besucher prosten sich beim 16. Internationalen Berliner Bierfestival auf der Karl-Marx-Allee am Freitag in Berlin zu.
Besucher prosten sich beim 16. Internationalen Berliner Bierfestival auf der Karl-Marx-Allee am Freitag in Berlin zu.Foto: dpa

Nicht nur die Clubbesitzer, auch die Veranstalter von Straßenfesten sind sauer auf die Gema. Auch ihnen drohen ab kommendem Jahr Gebührenerhöhungen, die man so nicht mehr hinnehmen will. Sonst droht es auf den Veranstaltungen ziemlich still zu werden.

Auf seine Anfrage an die Gema hat Sven-Uwe Dettmann gerade die Antwort erhalten. 60 Prozent mehr sollen ab 2013 für die Musikdarbietungen gezahlt werden, so der Geschäftsführer der Bezirksmarketing-Gesellschaft „Partner für Spandau“. Er überlegt jetzt, ob auf dem Spandauer Weihnachtsmarkt künftig nur noch lizenzfreie Retortenmusik abgespielt wird. Gleiches gilt für andere Veranstaltungen wie das Havelfest oder den Bayern-Tag, der am Sonnabend bereits zum 30. Mal auf dem Marktplatz stattfindet.

Auch Lothar Grasnick ist sauer. Er ist Geschäftsführer der Präsenta GmbH, die ab heute wieder für drei Tage das 16. Berliner Bierfestival in Friedrichshain veranstaltet. Auf dem 2,2 Kilometer langen Abschnitt der Karl-Marx-Allee zwischen Strausberger Platz und Frankfurter Tor gibt es nicht nur 2000 verschiedene Biersorten von 300 Brauereien aus 86 Ländern. Auf 19 Bühnen sorgen 280 Künstler für die Unterhaltung (Freitag, 12 bis 24 Uhr; Sonnabend, 10 bis 24 Uhr; Sonntag, 10 bis 22 Uhr; Eintritt frei. Details unter www.bierfestival-berlin.de). „Die Grenze des Unerträglichen ist längst erreicht“, sagt Grasnick. Von dem, was er an die Gema zahlt, könne er noch fünf weitere Bühnen betreiben. „Die Lizenzgebühren entsprechen fast den Künstlergagen“, klagt der Veranstalter. Wenn sie noch weiter steigen, könne man solche Feste nicht mehr veranstalten oder könne zumindest keine Unterhaltungskünstler mehr verpflichten. „Die Leidtragenden sind letztendlich die Künstler, die dann keine Engagements mehr erhalten.“

Bei starkem Regen sind zwei Besucher zu Gast beim Bierfestival in Berlin.
Bei starkem Regen sind zwei Besucher zu Gast beim Bierfestival in Berlin.Foto: dpa

Ähnlich sieht es Sven-Uwe Dettmann in Spandau. Beim Weihnachtsmarkt im vorigen Jahr zahlte er rund 12 000 Euro Gebühren an die Gema, deren Inspekteure bei solchen Festen ständig präsent sind. „Die wussten bei einem Gespräch genau, an welchem Stand ein CD-Player wann welches Lied gespielt hat.“ Wenn ab dem nächsten Jahr 7000 Euro mehr gezahlt werden müssen, liegen auch hier Gebühren und Gagen auf gleicher Höhe. „Das ist moderner Straßenraub“, schimpft Dettmann. Gerade hat ihm ein Musikverlag zwölf CDs mit lizenzfreier, weihnachtlicher Musik angeboten (70 Jahre nach dem Tode eines Komponisten erlischt das Urheberrecht). Ihre Nutzung während einer gesamten Weihnachtsmarktperiode wäre für rund 1500 Euro möglich. „Einschließlich der Kosten für die Bühne selbst würden wir 50 000 Euro sparen“, so der Geschäftsführer. Nun denke man eine zentrale Beschallung.

Dettmann will deshalb nicht nur mit den Kommunalpolitikern sprechen, sondern auch Kontakt zu den Konkurrenten aus anderen Bezirken aufnehmen, um einen gemeinsamen Vorstoß bei der Gema zu organisieren.

Bei Helmut Russ, der den Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt organisiert und in diesem Jahr erstmals auch das Gauklerfest am Schinkelplatz (30. August bis 9. September) veranstaltet, rennt er offene Türen ein. „Eine weitere Erhöhung würde uns hart treffen“, sagt Russ. „Wir haben immer gesagt, wenn die Gema den Bogen überspannt, spielen wir nur noch Musik, die nicht geschützt ist.“

Am Gendarmenmarkt gibt es noch die besondere Situation, dass der Markt Eintritt kostet. 600 000 Besucher zahlten im vergangenen Jahr einen Euro. Falls die Gema künftig wie von den Clubs zehn Prozent der Eintrittsgelder verlangen sollte, wären das 60 000 Euro, sagt Rust. „Soviel spenden wir bisher jährlich dem Bezirk für wohltätige Zwecke.“

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