Berlin : 16 Überfälle in acht Jahren – und ein Täter

Ein Arbeitsloser finanzierte mit Bankrauben sein Leben. Nun hat die Polizei ihn festgenommen

Tanja Buntrock

Erik B. war gerade 20 Jahre alt, als er die erste Bank ausraubte. Und er fand Gefallen daran: Seit 1995 überfiel der arbeitslose Schulabbrecher 16 Institute. Dabei erbeutete er insgesamt 750000 Mark (heute 383470 Euro). Genug, um sein Leben, vor allem seine Reisen, zu finanzieren. Doch nun ist Schluss.

Die Kriminalpolizei hat die spektakuläre Bankraubserie beendet und den inzwischen 28-Jährigen aus Steglitz festgenommen. Zuletzt hatte Erik B. am 13. März eine Sparkassenfiliale am Brunsbütteler Damm in Spandau überfallen. Obwohl der Täter einen Helm trug, machte die Überwachungskamera ein fahndungstaugliches Bild. Daraufhin bekam die Polizei mehrere Hinweise. Der Täter hat nach seiner Festnahme ein umfassendes Geständnis abgelegt. Bei drei Überfällen hatte er sogar um sich geschossen. Verletzt wurde niemand. Ihm drohe eine Gefängnisstrafe von zehn Jahren aufwärts, sagte Manfred Schmandra, Leiter der Raubkommissariate.

Am 26. September 1995 begann der von Schmandra als „Einzelgänger“ beschriebene B. mit seiner Bankraubserie in einer Sparkassenfiliale in Zehlendorf. Er drohte mit einer scharfen Waffe und trug eine Sturmhaube oder Wollmütze mit Schlitzen sowie eine Jogginghose, über deren Hosenenden Socken gestülpt waren, und Sportschuhe. Deswegen gaben die Beamten der Raubkommissariate dem Täter den Namen „Jogging-Täter“.

Ab Mitte 2001 wechselte B. die Verkleidung: Bei den letzten fünf Überfällen trug er jeweils Motorradhelme. Trotzdem war den Kripo-Beamten relativ bald klar, dass ein Zusammenhang zwischen dem „Jogging-Täter“ und dem „Helm-Täter“ besteht. Im Laufe seiner acht Räuberjahre rüstete Erik B. weiter auf, was der Polizei Sorge bereitete. B. beschaffte sich Waffen in Tschechien. Zweimal schoss er mit einer Pistole, bei einem weiteren Mal mit seiner Maschinenpistole – einmal auf die Überwachungskamera, einmal auf Kassenbox und Raumteiler.

Kürzlich bekamen die Kripo-Beamten einen „heißen Tipp“. Der brachte die Beamten auf die Spur von Erik B. Der Verdächtige wurde telefonüberwacht und beobachtet. Dabei kam auch heraus, dass er 28-Jährige seine nächste Tat plante: Er suchte zwei Sparkassenfilialen aus. Sie waren ihm am liebsten, weil sie bis vor kurzem mit gläsernen Kassenboxen ausgestattet waren. Erst kürzlich rüstete die Sparkasse auf automatische Kassentresore um. Am Dienstag verabredete sich Erik B. mit einer Bekannten aus dem Umland auf dem Bahnhof in Zossen. Er wollte einen Reisekoffer abholen. Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) nahmen Erik B. fest. Im Koffer und in der Wohnung der Bekannten fanden die Beamten Waffen, die Schussweste, die Tatwaffen, dazugehörige Magazine, „Maskierungsmaterial“. Schmandra: „Die Bekannte hat nicht gewusst, was in dem Koffer war, sie hat ihn nur deponiert.“

Ferner fanden die Beamten fünf Handgranaten. Erik B. gestand, eine davon sogar bei einem Überfall dabei gehabt zu haben. Die nahm er aber nie wieder mit, nachdem er die Wirkung in einem Wald getestet hatte. Schmandra: „Da war er selbst schockiert.“

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