Berlin : 165 000 Haushalte sind überschuldet In Neukölln ist das Problem am größten

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Seit gestern weiß Sozialsenatorin Heidi KnakeWerner (Die Linke. PDS) genauer, in welchen Teilen der Stadt die meisten überschuldeten Menschen leben. Denn gestern legte ihr die Schufa den ersten Schuldenatlas für Berlin vor. Das Ergebnis: Rund 165000 Haushalte waren Ende vergangenen in Berlin zahlungsunfähig, besonders viele davon in Neukölln. Dort ist die Zahl der Privatinsolvenzen gemessen an der Bevölkerung mit durchschnittlich siebeneinhalb Prozent am höchsten. Besonders betroffen ist der Norden Neuköllns, wo in manchen Teilen einer von acht Einwohnern überschuldet ist. Von Überschuldung spricht man, wenn laufende Kredite und andere Verpflichtungen dauerhaft nicht bedient werden können. Stark betroffen sind außerdem Tiergarten, Wedding und Mitte. Die wenigsten Privatinsolvenzen gab es in Steglitz-Zehlendorf (Quote: 3,4 Prozent). Besonders gut kommen Teile Reinickendorfs (1,65 Prozent) und Steglitz-Zehlendorfs (1,69 Prozent) weg – mit statistisch weniger als zwei von hundert insolventen Haushalten. Oft sind es Singles, die Schuldenfalle geraten. Die häufigsten Ursachen: Arbeitslosigkeit und Scheidungen. Oft mit der Folge, dass Menschen, teils gezwungenermaßen, über ihre Verhältnisse leben und dann ihre Miet- und Heizkosten nicht mehr bezahlen können.

Nachdenklich mache, dass nur 10000 der 165000 überschuldeten Haushalte im zweiten Halbjahr 2004 dauerhaft von einer der amtlichen Schuldnerberatungsstellen betreut wurden, sagte Knake-Werner. Einer der Gründe ist deren notorische Überlastung. Monatelange Wartezeiten sind daher an der Tagesordnung.

Die Konsequenz: Knake-Werner will Finanzsenator Thilo Sarrazin nun davon überzeugen, mehr Geld für die Schuldenberatung locker zu machen. „Die Zahl der Privatinsolvenzen wird durch Hartz IV weiter steigen. Wir wollen die Hilfsangebote in den Problemgegenden besser ausstatten“, sagte sie. Eine bessere Beratung lohne sich. Die Senatorin beruft sich auf eine Kleine Anfrage im Bundestag. Eine gute Schuldnerberatung, so heißt es in der Antwort, helfe, Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Knake-Werners Rechnung: „Jeder Euro, den man in die Beratung steckt, spart zwei Euro. Das ist ein Argument, das einen Finanzsenator überzeugen muss.“

Die Reaktion Sarrazins: „Bis 2007 ist es erst einmal so, dass eine Million Euro zusätzlich für die Schuldenberatung im Haushalt eingestellt ist“, sagte sein Sprecher Clemens Teschendorf. Ob es höhere Zuschüsse geben könnte, ließ Teschendorf offen. Für dieses Jahr stockte der Senat die Mittel von um eine Million Euro auf rund fünf Millionen auf. mne

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