Berlin : 17 Freibäder ab heute offen - Mitte Mai folgt der Rest

Tobias Arbinger

Die krakenartig geschwungenen Edelstahl-Röhren der neuen Wasserrutsche im Freibad Pankow könnten das Titelbild einer Architektur-Zeitschrift zieren. Unten beherrschen hingegen noch Bauarbeiten das Bild. Da sind Bagger im Gang, neben dem Springerbecken klafft eine Grube. Hie und da liegen Sandhaufen und Plastikröhren. Schwallwasserduschen des neuen Erlebnisbeckens sind noch in Plastikfolie verpackt. Arbeiter pflastern den Boden, und im Sportschwimmbecken steht noch Regenwasser. Bis das Freibad Mitte Mai wieder geöffnet werden kann ist noch einiges zu tun. Die Berliner Bäder-Betriebe sind aber überzeugt, dass der Termin eingehalten wird. Sprecher Manfred Radermacher: "Am 13. Mai geht das Ding ans Netz".

In 17 der über 30 Natur-, Sommer- und Freibäder der BBB wurde gestern schon angebadet. Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Turn-Olympiasieger Andreas Wecker sprangen als erste in das auf 26 Grad aufgeheizte Becken des Kreuzberger Prinzenbads. Zum Anbaden gab es dort gestern ein kleines Fest und für zwei Stunden freien Eintritt. Die Kids aus der Umgebung plantschten schon einmal kräftig.

Seit heute geöffnet sind unter anderem die Sommerbäder Wilmersdorf und Am Insulaner, die Kombibäder Seestraße, Spandau Süd und Mariendorf sowie die Freibäder Lübars und am Weißen See. Die Wassertemperaturen in den Freibädern liegen laut BBB derzeit zwischen 20 und 24 Grad, der Wannsee war gestern mit 16 Grad noch relativ kühl.

Bis zum 13. Mai gedulden müssen sich neben den Pankowern auch Badefans, die beispielsweise die Freibäder Gropiusstadt, Jungfernheide oder das Sommerbad Olympiastadion bevorzugen (Öffnungszeiten siehe Kasten). Dass letzteres überhaupt auf hat, wurde erst in letzter Minute beschlossen. Ursprünglich wollten die BBB den Badegästen den zu erwartenden Baulärm durch Arbeiten am Olympiastadion nicht zumuten. Bis 15. Juli fertiggestellt werden soll zudem das Kinderbad im Monbijou-Park in Mitte. Auch dort wurde das Becken renoviert, wurden zudem Duschen und Umkleideräume erneuert. Im berühmten Strandbad Wannsee wurden die Sanierungsarbeiten hingegen schon 1999 eingestellt. "Es fehlt einfach das Geld", sagt Radermacher. Etwa 40 Millionen Mark müssten in die denkmalgeschützte Anlage gesteckt werden. So gammeln einige Gebäude weiter vor sich hin. Nichts geändert hat sich an den Eintrittspreisen: Sechs Mark kostet die Einzelkarte, vier Mark ermäßigt.

Mit Pankow wird Berlins größtes Freibad technisch auf den neuesten Stand gebracht, zumindestens was die Badeanlagen anbelangt. 15 000 bis 18 000 Besucher habe man an warmen Sommertagen, sagt der Leiter des Bades, Hans-Joachim Feick. Seit vergangenem Jahr laufen die Arbeiten des ersten Bauabschnitts. Aus einem riesigen Schwimmbecken wurden vier kleinere gemacht, die Schwimmfläche von 4800 auf 2400 Quadratmeter verkleinert. Dafür wird es nun eine Rutschanlage mit drei Bahnen, ein seichtes Mutter-Kind-Becken sowie ein "Erlebnisbecken" mit Fontänen, Wasserfall und einem 30 Meter langen Wildwasserkanal geben. In einem zweiten Bauabschnitt soll später die alte Schwimmhalle renoviert, in einem dritten sollen Umkleidekabinen, Duschen und Imbisse hergerichtet werden.

Noch strahlt vieles auf dem 11 Hektar großen Gelände DDR-Charme aus oder ist einfach nur marode: Zwischen den alten Pflastersteinen wuchert Grün. Der Betonflachbau, aus dem bald wieder Kuchen, Kaffee und Süßwaren verkauft werden, ist aus bröckeligem Beton, die Laternen sind wie die Aufbauten eines alten Tankers schon etliche Male überstrichen. Es gibt nur 16 Umkleidekabinen, die Garderobe wurde Anfang der 90er Jahre geschlossen. Um die Becken liegen aber immerhin sieben Hektar Wiesen, zum Teil im Schatten von Obstbäumen. "Die Pankower sind dem Bad besonders verbunden", erzählt Feick. Kein Wunder. Ende der 60er Jahre wurde es in einer Aktion des Nationalen Aufbauwerks errichtet, die Anwohner packten mit an.

Insgesamt verbuchen Berlins Frei- und Hallenbäder mehr Besucher als früher. Der heiße Sommer 1999 brachte fast eine halbe Million zusätzliche Gäste, 10,3 Millionen waren es im gesamten Jahr. Viele Kundenwollen nach Einschätzung der BBB mittlerweile nicht mehr allein schwimmen gehen, sondern auch Wellness- und Sportangebote, Saunen, Whirlpools und Wasserspielplatz nutzen. Große Wasserflächen allein seien "nicht die Zukunft der Bäder", sagt der BBB-Vorstandsvorsitzende Günter Kube. "Da muss schon mehr passieren". Die Bäder müssten entsprechend umgerüstet werden. Wiedereröffnete Anstalten wie das Schöneberger Stadtbad oder das Pankower Bad gleichen deshalb zunehmend Wasser-Freizeitparks.

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