17. Juni 1953 : Doppeltes Gedenken

Eine Straße des 17. Juni gibt es in Berlin zwar bereits. Doch bald könnte auch ein Platz an den DDR-Volksaufstand von 1953 erinnern. Nur der Senat muss die "Signale" noch hören.

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Gedenkrosen. Am Mahnmal für die Opfer des 17. Juni 1953 werden regelmäßig Blumen und Kränze niedergelegt. Den Opferverbänden reicht das nicht aus. Foto: Thilo Rückeis
Gedenkrosen. Am Mahnmal für die Opfer des 17. Juni 1953 werden regelmäßig Blumen und Kränze niedergelegt. Den Opferverbänden...Foto: Thilo Rückeis

Der Platz am Bundesfinanzministerium an der Leipziger Straße/Ecke Wilhelmstraße könnte pünktlich zum 60. Jahrestag des Aufstands vom 17. Juni 1953 nach diesem Ereignis benannt werden. Das stellte Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) in Aussicht. Das Finanzministerium als Hausherr habe „die Bereitschaft signalisiert, einen Antrag auf Benennung zu stellen“, sagte Spallek. Bisher hat der Platz keinen Namen. Die Fläche gehört dem Bund.

Für eine Benennung hatte sich zuletzt die DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier ausgesprochen. Auch der Verband der Opfer des SED-Regimes fordert seit langem einen „Platz des 17. Juni“. Wie der Name genau ausfallen wird, sei noch offen, sagte Spallek. Weil es sich nicht um einen öffentlichen Platz handele, müsse der Senat einen Benennungsbeschluss fassen.

Das sieht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ganz anders: „Es steht dem Bundesfinanzministerium frei, den Platz zu benennen“, sagte Sprecherin Petra Rohland. „Wir finden die Initiative auch gut“, aber einen Beschluss müsse es dazu nicht geben. Das private Namensschild sollte sich nur deutlich von den öffentlichen Berliner Straßenschildern abheben.

Spalleks Vorgänger im Amt, der heutige Staatssekretär in der Bauverwaltung, Ephraim Gothe (SPD), hatte eine öffentliche Benennung des Platzes 2007 noch abgelehnt. Sein Argument: Es dürfe keine doppelten Benennungen geben. Immerhin existiert ja nicht weit entfernt eine Straße des 17. Juni.

1953 war der Platz am damaligen Haus der DDR-Ministerien das Ziel der protestierenden Ost-Berliner Arbeiter gewesen. Sie verlangten, die verschärften Arbeitsnormen zurückzunehmen, und forderten freie Wahlen. Der Protest erfasste bald die gesamte DDR. Seit dem Jahr 2000 erinnert auf dem Platz ein Denkmal an den Aufstand erinnern soll. Auf einer großen Fotografie sind die Reihen der demonstrierenden Arbeiter zu sehen.

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