Berlin : 17 Tage ohne Pause im Einsatz für West-Berlin

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Celle-Wietzenbruch während der Berlin-Blockade 1948: Der deutsche Arbeiter Hans Noack ist auf dem Flughafengelände in einem Sechs-Mann-Zelt untergebracht. Jeder hatte ein Feldbett, einen kleinen Schrank, in der Mitte des Zeltes stand ein Kanonenofen. Noack hat mit seinen Kollegen die Flugzeuge der Royal Air Force beladen, die West-Berlin über die Luftbrücke mit Lebensmitteln, Kohle, Medikamenten und weiteren lebenswichtigen Gütern versorgten.

Auf der Dia-Leinwand im Alliierten-Museum in Zehlendorf betrachten gestern rund 50 geladene Veteranen der Royal Air Force, die während der Berliner Luftbrücke im Einsatz waren, das leicht verschwommene Schwarz-Weiß-Bild des Arbeiters Hans Noack und hören sich an, welche Erfahrungen dieser Zeitzeuge gemacht hat.

Noack selbst war verhindert, konnte also nicht zu diesem Veteranentreffen kommen, das jährlich am 12. Mai in Berlin stattfindet: dem Tag, an dem 1949 die Blockade durch die Sowjetunion endete. Deshalb trägt Bernd von Kostka, Wissenschaftler im Alliiertenmuseum, die Erfahrungen des deutschen Arbeiters vor.

Die vier Veteranen John Coiller, Jeff Smith, Peter Henley und Frank Stillwell, die anschließend mit dem Direktor des Museums, Helmut Trotnow, auf dem Podium sitzen, haben ähnliches wie Noack erlebt. Stationiert waren sie in Wunstorf, Celle, Lübeck und Faßberg. Henley und Stillwell sind während ihrer Einsatzzeit 250 Mal nach West-Berlin geflogen, um die abgeschnittene Stadt zu versorgen. „Anfangs, in den ersten Wochen nach dem Beginn der Luftbrücke, waren die Wohn- und Lebensverhältnisse in den Zeltstädten noch chaotisch“, erinnert sich Stillwell. „Aber je länger die Luftbrücke dauerte, desto besser war die Unterbringung.“

Freizeit hätten die Piloten Henley und Stillwell im Gegensatz zu den Bodenkräften Coiller und Smith nur selten gehabt. „Wir sind ständig Einsätze geflogen, 17 Tage lang, Tag und Nacht. Danach mussten wir wieder nach Großbritannien, um neue Flugzeuge zu holen“, berichtet Henley.

Die Veteranen erzählen auch vom Verhältnis zu den Deutschen, mit denen sie sich „eigentlich nicht verbrüdern durften“. So kam es, dass eine „junge, nette deutsche Frau“ auch mal von einem britischen Soldaten ins Kino eingeladen wurde. Die Annäherung auf beiden Seiten sei schon nach wenigen Wochen spürbar gewesen. „Wir waren gekommen, um den Berlinern in Not zu helfen, eine große Herausforderung“, sagt Coiller. Die Zuhörer applaudieren. tabu

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