Berlin : 18-jähriges Mädchen soll ihre Familie in Richtung Serbien verlassen

Anna Brockdorff

"Dass Dijana als einzige ihrer fünfköpfigen Familie in ein kleines, serbisches Dorf abgeschoben werden soll, das sie noch nie gesehen hat, dessen Sprache sie schlechter als Deutsch versteht und wo ihre weitere Ausbildung ungewiss ist - das sind Umstände, die wir nicht nachvollziehen können", sagt René D. Güntner, stellvertretender Gesamtschülersprecher des OSZ Recht in Charlottenburg. Um gegen diesen Vorgang zu protestieren und sich für ihre Mitschülerin einzusetzen, versammelten er und zahlreiche andere Schüler sich gestern mit Plakaten und Transparenten auf dem Schulhof. Dijana Bozic selbst hatte zu derselben Zeit einen Termin bei der Ausländerbehörde.

Dort wurde der für heute angesetzte Abschiebetermin zunächst gestrichen. Sollte bei der Eilverhandlung des Verwaltungsgerichts in zwei Wochen jedoch entschieden werden, dass Dijanas Klage abgewiesen wird, müsste die 18-jährige Schülerin bis zum 8. April ausreisen. Während für den krebskranken Vater gute Aussichten auf eine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung bestehen, sind die Chancen für Dijana gering, weil sie kürzlich volljährig geworden ist. Da ihre Mutter nur die bosnische Staatsbürgerschaft besitzt, nicht jedoch wie Dijana und ihr Vater zusätzlich die serbische, hat sie bereits eine sechsmonatige Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Dijanas ältere Schwester, die letztes Jahr ebenfalls abgeschoben wurde, konnte als Studentin wieder nach Deutschland zurückkehren.

"Es ist ein Unding, dass Dijana von ihrem gesamten sozialen Umfeld isoliert werden und ihre Ausbildung unterbrochen werden soll", sagte Özcan Mutlu, Abgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen. Zwar habe sie die Realschule erfolgreich abgeschlossen, entscheidend sei aber die Zulassung zum Abitur. "Und die wird sie bereits in weniger als sechs Monaten erhalten", sagt Mutlu. Er könne nicht verstehen, warum die Ausländerbehörde zu keinem Kompromiss bereit sei. Die Pressestelle der Innenbehörde wollte sich gestern nicht äußern - über Einzelfälle dürfe keine Auskunft gegeben werden.

Seit acht Jahren lebt Dijana Bozic mit ihrer Familie in Deutschland. Zu ihrer Großmutter, bei der sie im Falle einer Abschiebung wohnen würde, hat sie kaum Kontakt. "Ich bin total verzweifelt. Meine ganze Familie bleibt hier, und ich muss an einen Ort, in dem ich noch nie war und in dem ich keine Freunde habe", sagte Dijana Bozic. "Außerdem würde ich gerne in Berlin wenigstens die Schule beenden."

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