Berlin : 1995 - der letzte Anschlag der "Roten Zora"

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Die "Rote Zora" war früher bundesweit unterwegs. Die jüngste bekannte Aktion traf im Juli 1995 die Lürssen-Werft in Lemwerder an der Weser-Mündung, wo eine Bombe in einer Werkshalle detonierte: Weil hier Schiffe für die türkische Marine gebaut würden, "mit denen KurdInnen angegriffen werden". Die mit der Zora verbandelten Revolutionären Zellen waren zuletzt zwei Jahre vorher aufgefallen. Im Oktober 1993 sprengten sie ein Trafohäuschen auf dem Gelände des Grenzschutzamtes Frankfurt in die Luft. Angebliches Motiv der Terroristen: das neue Asylrecht. Danach wurde es still. Der Berliner Verfassungsschutzbericht von 1997 erwähnt beide Gruppen nur noch am Rande.

Das war früher ganz anders. 1990 ging das Schöneberger Möbelhaus "Wohnen 2001" in Flammen auf. Revolutionäre Zellen erklärten, sie hätten "Yuppies und Reiche" treffen wollen, "nie wieder Deutschland - nie wieder Hauptstadt". Der Kreuzberger Reflex gegen die Wiedervereinigung tauchte auch bei einem Anschlag auf den Reichstag auf. Breitgefasster waren 1991 die Motive bei dem spektakulären Bombenanschlag auf die Siegessäule - "Symbol für Nationalismus, Rassismus, Sexismus und Patriarchat".

Die Linksterroristen schreckten auch vor Anschlägen auf Menschen nicht zurück, Morde werden ihnen aber im Gegensatz zur RAF nicht vorgeworfen. Im Oktober 1986 schossen Aktivisten dem Leiter der Berliner Ausländerbehörde Harald Hollenberg gezielt in die Beine. Ein Jahr später wurde der Vorsitzende Richter am Bundesgerichtshof Günter Korbmacher ebenfalls durch Schüsse am Unterschenkel verletzt. Den jetzt verhafteten mutmaßlichen beiden Terroristen können diese Bluttaten nicht mehr vorgeworfen werden. Als Körperverletzung waren sie nach fünf Jahre verjährt. Eine Verjährungsunterbrechung ist nicht eingetreten, weil gegen die beiden damals noch keine Fahndungsmaßnahmen liefen. Ihnen wird aber Mitgliedschaft in einer terroristichen Vereinigung angelastet.

Begonnen hatten die Revolutionären Zellen ihre Berliner Tätigkeit 1973 mit einem Anschlag auf ein Bürohaus der Firma ITT-Schaub Lorenz. Der Verfassungschutz betrachtet sie neben der RAF und dem "2. Juni" als dritte eigenständige Gruppe im Linksterrorismus. Die Mitglieder gelten als "Feierabendterroristen", die ihren normalen Lebensrhythmus anders als die Illegalen der RAF nur für ihre Aktionen verließen.

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