Berlin : 20 Millionen für den Abschied vom Palast

2005 wird mit dem Abriss begonnen. Bis Geld für den Schlossneubau da ist, soll Gras über den Platz wachsen

Werner van Bebber

Mit dem Abriss des Palastes der Republik soll Anfang 2005 begonnen werden. Der Kulturausschuss des Bundestages hat am Mittwochabend die Beseitigung der Ruine beschlossen.

Die Ausschussvorsitzende Monika Griefahn (SPD) sagte, der Haushaltsausschuss des Bundestages habe bereits 20 Millionen Euro aus dem Etat des Bauministeriums freigegeben. Die Bundestagsabgeordneten sprachen sich für eine „gärtnerische Übergangsgestaltung“ des Geländes aus. Das bedeutet: Auf dem Gelände kann eine Grünanlage wie vor dem Alten Museum angelegt werden – eine Übergangslösung. Denn der Bundestag hat im Juni 2002 beschlossen, ein Gebäude mit der Fassade und der Kubatur des Berliner Stadtschlosses zu errichten, wenn das Geld dafür vorhanden ist. Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) kann nun mit der Suche nach einer Ingenieurfirma beginnen, die den technisch nicht ganz unkomplizierten Abriss der Palastruine plant.

Denn die Gründungswanne des Palastes muss bis zur Oberkante des Schlossplatzareals demontiert werden (siehe Kasten unten). Ausgeschrieben wird laut Strieders Sprecherin Petra Reetz europaweit. Ab Juni 2004 sollen die Auslobung des Abrissauftrags und das Genehmigungsverfahren folgen, ab Februar 2005 der Abbruch. Bleibt es bei dieser Planung, wird in anderthalb Jahren vom Palast der Republik nicht mehr viel übrig sein. Rund 15 Jahre – von 1991 bis 2005 – sind dann vom Anfang der Diskussion über den Erhalt oder Abriss des DDR-Renommiergebäudes bis zu dessen Ende vergangen. Ideenwettbewerbe, Bundestags- und Senatsbeschlüsse zum Umgang mit der historischen Mitte Berlins hatten vor zwei Jahren zur Einberufung einer internationalen Expertenkommission geführt. Die sprach sich 2002 dafür aus, auf dem Schlossplatz in Gestalt des Schlosses ein „Humboldt-Forum“ zu errichten – ein Gebäude, in dem Bestände der Zentral- und Landesbibliothek ebenso untergebracht werden wie die außereuropäisch Sammlung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die wissenschaftsgeschichtliche Sammlung der Humboldt-Universität. Auch einen Veranstaltungsbereich soll es geben.

Niemand weiß, wann der Bund und das Land Berlin das Geld für dieses Forum aufbringen können. Die Übergangswiese auf dem Schloßplatz könnte also ab 2005 ein paar Jahre grünen. Die „Zwischennutzung“ der Palastruine wird nur noch im kommenden Jahr möglich sein.

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