Berlin : 20 Minuten

Bernd Matthies

Nur blutige politische Anfänger glauben, dass sich zwischen den Legislaturperioden gewaltige Rückstände ansammeln, die dann vom neuen Senat in titanischer Anstrengung abgearbeitet werden müssen. Profis wissen: Wenn es keinen Senat gibt, sammelt sich überhaupt keine Arbeit an. Und deshalb hat die erste Arbeitssitzung der frisch gewählten Landesregierung auch nur 20 Minuten gedauert. Glückliches Berlin!

Wir waren nicht dabei, können aber fundierte Vermutungen über die Tagesordnung äußern: 1. Begrüßung 2. Allgemeines 3. Besonderes 4. Verabschiedung. Unter Punkt 2 informierte Thilo Sarrazin die Kollegen darüber, dass er demnächst gut 800 Millionen Euro mehr einnimmt, unter 3. teilte er ihnen mit, dass sie davon nichts abkriegen, weil der Segen längst im Etat eingepreist ist. Dann wurde vermutlich noch ein wenig übers Wetter geplaudert, und gute Wünsche gingen nach Windhuk, wo der Chef grad die Städtepartnerschaft pflegt.

Denn wäre Wowereit da gewesen, hätte die Sitzung garantiert doppelt so lange gedauert. Und Profis wissen: Ein guter Senator hat Besseres zu tun, als im Senat zu sitzen.

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