Berlin : 20 Routen zum Jubiläum

Die Stadtführungen von „StattReisen“ werden zwanzig. Deshalb gibt’s am Sonntag Führungen kostenlos und ein Fest

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Grundsätzlich wird ab vier Personen gelaufen, und wenn es Hunde und Katzen regnet: Die unermüdlichen Stadtspaziergänger von „StattReisen“ feiern am Sonntag ihr zwanzigjähriges Jubiläum, und als Geschenk für die fast unstillbar neugierigen Alt und Neu-Berliner gibt es eine (kostenlose) Sternwanderung auf 20 Routen zum Brandenburger Tor. Jeweils um 14 Uhr treffen sich die Gratulanten zu Touren wie „Rund um den Kreuzberg“, „Grenzgänge – grenzenlos“, „Im Garten der Lüste – Großer Tiergarten“, „Preußen pur“, „Brecht und die Seinen“ oder „Kölsch oder Kindl – Klein-Bonn in der Friedrich-Wilhelm-Stadt“. Gegen 15.30 Uhr gibt es eine kleine Jubelfeier am Platz des 18. März (am Brandenburger Tor), danach eine literarische Zeitreise. (Treffpunkte und genaues Programm unter 4553028).

Der Verein der Stadtspaziergänger bietet en passant Unterhaltung und Information auf hohem Niveau. Mitbegründer Martin Düspohl verweist auf mittlerweile über hundert verschiedene Stadtspaziergänge per pedes oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln, 40 000 Leute werden jährlich auf über 2000 Rundgängen von 50 Stadtführern an die geheimsten Orte geführt und gleichermaßen verführt, die City oder den Kiez mit anderen Augen zu sehen. „StattReisen“ heißt, statt in die Ferne zu schweifen das Gute allzunah zu erkunden, die Stadt entziffern zu lernen. „Im Gegensatz zur distanzierten, oft voyeuristischen Reisebusfenster-Perspektive ermöglichen wir das Eintauchen ins städtische Leben – zu Fuß, mit den Öffentlichen oder mit dem Fahrrad“, sagt Martin Düspohl.

Die Erfolgsgeschichte der „Asphaltpädagogik“ begann ganz klein, 1983, mit 320 Teilnehmern im ganzen Jahr. Die Szenekneipe „Zum-Zum“ an der Soldiner Straße stand Pate, als die Weddinger Geschichtswerkstatt dem Mythos des „Roten Wedding“ nachspürte, nicht immer zur Freude der Bezirksoberen, die das proletarische Image gerade loswerden wollten. Aber mit den Jahren zogen die Stattreisenden das Netz ihres alternativen Tourismus über ganz Berlin und verdienten heftig an den Führungen bundesdeutscher Schulklassen, wenn die sich mit ihren Lehrern mutig in den Osten wagten. Mauerfall und Wende inspirierte StattReisen zu ungeahnten neuen Bildungstouren, mittlerweile sind die Stadtwalker so etwas wie der Marktführer bei bis zu 40 Anbietern. Renner (für acht Euro pro Nase oder 145 Euro für eine Gruppe) sind noch immer die Grenzgänge, Touren durch Prenzlauer Berg, über den Potsdamer Platz und durch Pankow. Oder „Mendelssöhne & Töchter“. Wieder stark im Kommen: „Weltstadt Kreuzberg“. Neu sind in diesem Jahr die Spaziergänge „Muslime in Berlin“, „Rosa Luxemburgs politische und private Wege“, „Grass in Friedenau“ und „Charlottengrad: Russisches Leben in Berlin“, damals wie heute. Lo.

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