Berlin : 200 Euro im Monat fürs Parken in Prenzlauer Berg

Berufspendler ärgern sich über hohe Gebühren Verkehrsstadtrat sieht Entlastung der Anwohner

Anne-Sophie Lang

Berufspendler in Prenzlauer Berg ärgern sich über die neu eingerichteten Parkzonen. Seit Monatsbeginn müssen Autofahrer zwischen S-Bahn-Ring, Bezirksgrenze zu Mitte, Torstraße und Greifswalder Straße von 9 bis 24 Uhr pro Stunde einen bis zwei Euro fürs Parken bezahlen, wenn sie nicht im Viertel wohnen. Geschäfte, Betriebe und auch Schulen können zwar eine Gewerbe-Vignette beantragen und zahlen dann nur 90 Euro jährlich – allerdings ist nur eine Vignette pro Institution vorgesehen. Angestellte des öffentlichen Dienstes wie Lehrer und Erzieher müssen in der Regel die vollen Gebühren bezahlen.

Ein Unding, findet etwa Angelika Böhme, stellvertretende Schulleiterin des John-Lennon-Gymnasiums. Sie verbringe rund zehn Stunden am Tag in der Schule, die Parkgebühren für ihr Auto würden sich also auf rund 200 Euro im Monat belaufen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln benötigt sie 45 Minuten zur Arbeit, mit dem Auto 20 Minuten. Ihr Kollegium hatte die Hoffnung, als Anwohner zu gelten; die dann fälligen 10,40 Euro im Jahr hätte die 59-Jährige klaglos bezahlt. Aber 200 Euro im Monat? „Das lehne ich ab.“

Verkehrsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) zeigt sich ungerührt. Es sei ja gerade der Sinn der Parkraumbewirtschaftung, dass Berufspendler animiert würden, ihr Auto zu Hause zu lassen. Die Anwohner sollen so entlastet werden. Sonderregelungen gebe es für Schwerbehinderte und Härtefälle. Wer zum Beispiel nachts arbeite und nachweise, dass er nach Feierabend mit Bus und Bahn nicht nach Hause kommt, der könne auf eine Gewerbe-Vignette hoffen. Klempner und Installateure etwa könnten auch mehrere Vignetten bekommen, da die Mitarbeiter auf ihre Wagen angewiesen seien, und Hotels bekämen welche für ihre Gäste.

Bis Dienstagabend gingen beim Bezirksamt knapp 1200 Anträge auf Gewerbe-Vignetten ein, die allerdings noch nicht alle bearbeitet werden konnten. Ein Restaurantinhaber, der nicht genannt werden möchte, bekam keine, dafür aber schon drei Knöllchen – und hat zudem das Gefühl, dass ihm wegen der Parkgebühren die Kunden wegbleiben. „Ich habe den Eindruck, hier ist jetzt abends Totentanz“, sagt er. Die gemeinnützige Gesellschaft Pfefferwerk Stadtkultur, die im Kiez unter anderem Kitas und Wohngemeinschaften betreibt, hofft noch auf bewilligte Vignetten. Viele Kollegen kämen von außerhalb und bräuchten ihr Auto, sagt Sprecherin Caj Bergmann.

Für Stadtrat Kirchner zeigt die Parkraumbewirtschaftung schon Erfolge. „Nach fünf Tagen wurden schon Parkplätze gesichtet“, scherzt er. Allerdings werden die jetzt im angrenzenden Bötzowviertel knapp, wie Anwohner berichten. Wer eine Vignette beantragt, aber noch nicht bewilligt bekommen hat, dem empfiehlt Kirchner, den Antrag ins Fenster zu legen. Noch können Autofahrer auf Kulanz hoffen, auch weil noch nicht alle Automaten stehen.

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