Berlin : 2000 Gäste im Betonzelt

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Von Andreas Conrad

Für glamouröse Feiern wie die Verleihung des Deutschen Filmpreises am heutigen Freitag ist das schnellste Gefährt aus dem Hause Mercedes-Benz leider völlig ungeeignet, und dies aus simplem Grund: Formel-1-Geschosse sind grundsätzlich Einsitzer. Die Möglichkeit, damit einen besonders eiligen Prominenten vor dem Tempodrom in Kreuzberg abzuladen, verbietet sich also, und so ist die Firma mit dem dreizackigen Stern, seit Jahren Sponsor des Filmpreises, auf ihren übrigen Fuhrpark verwiesen, auf die S-, E- und V-Klasse, dazu zwei Pullman-Limousinen, über 60 Fahrzeuge insgesamt für die very, very VIPs.

Noch im letzten Jahr hielt die Promi-Karawane vor der Staatsoper Unter den Linden, diesmal nun rollt sie nach Kreuzberg, zum Betonzelt am Anhalter Bahnhof. Der Grund ist nicht etwa, dass man es dem Europäischen Filmpreis gleichtun will, mit dem der Veranstaltungsreigen im neuen Tempodrom eröffnet worden war. Es liegt vielmehr an der „unsicheren Disponierung“ bei der Staatsoper durch Bauarbeiten. Der Prinzessinnengarten neben der Oper wird neu begrünt, dadurch fehlt für die Feier nach der Preisverleihung der nötige Platz.

So sammeln sich die Filmprinzessinnen und -prinzen, die Leinwandkönige und -fürsten und ihr Fußvolk also fern des vertrauten Festorts auf dem Gelände des Anhalter Bahnhofs. Mehr als 2000 Gäste werden erwartet, die Liste reicht von Nadja Auermann bis Katharina Witt, dazwischen tauchen n wie Senta Berger, Veronica Ferres, Wolfgang Joop, Desirée Nosbusch, Maximilian Schell oder Kai Wiesinger auf - ein imponierendes Verzeichnis, selbst wenn man den natürlichen Schwund einkalkuliert, der nach solchen publicity-trächtigen Prognosen immer wieder festzustellen ist.

Ab 18.30 Uhr beginnt der Einlass der Gäste und damit das, was die betreuende PR-Agentur als „Red-Carpet-Show“ umschreibt. bis 21.45 Uhr wird das Programm der Preisverleihung dauern, Favorit ist diesmal eindeutig Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“ mit vier Nominierungen.

Die 30 Zentimeter hohe Statue, für die man den Namen „Lola“ durchzusetzen versucht, wird von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin verliehen, sein Chef, Bundeskanzler Gerhard Schröder, guckt nach der bisherigen Planung als Ehrengast dabei zu. Musikalische Stargäste sind Udo Lindenberg und Sheryl Crow.

Hinterher gibt es wieder die schon traditionelle Askanische Nacht. Das Hotel Adlon, mit der leiblichen Versorgung der Filmpreis-Gäste betraut, wird unter anderem 30 Kilogramm Thun- und Schwertfisch, 600 Stubenküken, 80 Kilogramm Kalbsrücken, je 60 Kilo Lammrücken und Parmaschinken, 200 Kilo Orangen und 40 Kilo Erdbeeren servieren.

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