Berlin : 2007 … 2011 … 2012: BBI-Flughafen noch später fertig?

Bauschritte womöglich unrealistisch kalkuliert Fahrgastverband: Bahnhof unter Terminal zu teuer

Klaus Kurpjuweit

Der neue Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld wird nach Tagesspiegel-Informationen wahrscheinlich ein weiteres Jahr später als bisher geplant fertig. Noch nennt die Flughafengesellschaft wie bisher Ende 2011 als Termin für die Inbetriebnahme, doch intern sei die Verzögerung bereits klar, sagte ein Insider. Offenbar war die bisherige zeitliche Planung zu ehrgeizig, die oft sehr langwierigen Ausschreibungen und weiteren Bauschritte wurden möglicherweise unrealistisch kalkuliert.

An den Ausbauplänen hält man allerdings fest, auch wenn sich jetzt die Kritik am vorgesehenen Flughafenbahnhof häuft. „Zu teuer“, sagt nun auch der Fahrgastverband IGEB. Zuvor hatten bereits Architekten einen Bauverzicht gefordert. Auch bei der Bahn ist der Schienenanschluss, der 636 Millionen Euro kosten soll, wie berichtet, umstritten.

Möglicherweise beschäftigt sich auch noch der Rechnungshof mit dem Projekt, denn den Löwenanteil der Kosten übernimmt der Bund. Und die Rechnungsprüfer haben sich bereits bei anderen Berliner Planungen eingemischt – etwa bei der Museumsinsel. Dort geht es, wie berichtet, „nur“ um 130 Millionen Euro.

Der Flughafenbahnhof ist teuer, weil die Station unter dem neuen Terminal gebaut werden soll. Der Grundwasserstand in Schönefeld ist jedoch sehr hoch, was die Kosten bei unterirdischen Anlagen in die Höhe treibt. Zudem sind aufwändige Anschlüsse im Westen an den Berliner Außenring sowie im Osten an die Görlitzer Bahn erforderlich. Und die S-Bahn wird in einer rund acht Kilometer langen Schleife vom heutigen Endbahnhof zum neuen Flughafen verlängert.

Auch Brückenbauten sind erforderlich. Am westlichen Rand des künftigen Flughafengeländes haben die Vorbereitungen für das sogenannte Brückenbauwerk 292 bereits begonnen. Hier überquert in Zukunft eine Landstraße die Bahntrasse.

Der Bau des neuen Bahnhofs gehöre zum Planfeststellungsbeschluss, den das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im März bestätigt hat, argumentiert die Flughafengesellschaft. Änderungen am Konzept würden den Terminplan weiter gefährden. Ursprünglich hatten die Planer gehofft, BBI bereits in diesem Jahr in Betrieb nehmen zu können.

Bei der Planung habe man auch geprüft, ob der derzeitige Bahnhof Schönefeld weiter genutzt werden könne, sagte ein Flughafensprecher. „Aus gutem Grund“ habe man sich aber für einen neuen Bahnhof unter dem Terminal entschieden. Damit entstehe ein Flughafen der kurzen Wege. So werde es gelingen, dass etwa die Hälfte der Passagiere mit der Bahn zum Flughafen komme. Der Senat will zudem, dass alle Fernzüge aus und nach Berlin ihre Fahrt im Flughafenbahnhof beginnen oder beenden.

Der bestehende Bahnhof Schönefeld dagegen müsste mit einer weiteren Bahn, „Peoplemover“ genannt, mit dem Abfertigungsgebäude verbunden werden, was ein zusätzliches Umsteigen erfordere. Ein solches „Peoplemover“-System könne aber auch Vorteile haben, kontert Christfried Tschepe vom Fahrgastverband IGEB. Die Bahnen könnten im Flughafengelände viel öfter halten und so Wege verkürzen.

Die Modernisierung des Bahnhofs Schönefeld und der Bau der Zubringerstrecke zum Terminal würden, so Tschepe, 150 Millionen bis 200 Millionen Euro kosten und damit erheblich billiger sein als der Bahnhof unter dem Flughafengebäude. Statt einen „Airport-Express“ zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen pendeln zu lassen, sei es sinnvoller, Schönefeld ins Regionalbahnnetz zu integrieren, so Tschepe. Damit gebe es auch für Fluggäste aus Brandenburg umsteigefreie Verbindungen.

Die Idee, den Flughafenexpress durch hohe Fahrpreise kostendeckend zu betreiben, hat die Bahn inzwischen aufgegeben. Jetzt müssen Berlin und Brandenburg den Zusatzverkehr bestellen und bezahlen. Berechnungen darüber gebe es schon lange, heißt es beim Senat. Um bei einem beschränkten Budget Streichungen woanders zu vermeiden, soll sich auch der Flughafen an den Kosten des Bahnbetriebs beteiligen.

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