2011 ist Schluss in Berlin : Die Post schließt ihr letztes Amt schon bald

Bis 2011 will die Post auch die dreißig verbliebenen Berliner Filialen abstoßen. Neue Schalter eröffnen in Supermärkten. Was meinen Sie? Diskutieren Sie mit oder schreiben Sie Ihre Post-Erlebnisse als Kommentar unter diesen Text.

Rainer W. During

Es ist ein langsamer, aber unaufhaltsamer Abschied: 2011 soll auch das letzte klassische Berliner Postamt geschlossen werden. Bis dahin will die Deutsche Post 30 derzeit noch in eigener Regie betriebene Hauptstadt-Zweigstellen abstoßen. Derzeit wandelt das Unternehmen weitere fünf Standorte „in fremdbetriebene Partnerfilialen“ um. Briefmarken kaufen die Berliner zunehmend nicht mehr im Amt, sondern in Supermärkten, Kaufhäusern und Schreibwarengeschäften.

Den Kunden kann das nur recht sein, heißt es bei der Post. Denn das Serviceangebot werde dichter, sagt Unternehmenssprecherin Anke Baumann. So gibt es heute über 200 Filialen, das sind 40 mehr als vor zwei Jahren. Und auch die Post-Mitarbeiter müssten nicht um ihre Jobs fürchten. Zumindest bis 2011 seien betriebsbedingte Kündigungen tarifvertraglich ausgeschlossen. Den Kollegen würden Tätigkeiten in anderen Bereichen des Konzerns angeboten.

Durch den Umzug in Geschäfte und Supermärkte wurden viele ehemalige Postfilialen frei. Bereits im vergangenen Jahr hat sich der Konzern vom größten Teil seiner Immobilien, nicht nur in der Hauptstadt, sondern bundesweit, getrennt. Die meisten Häuser wurden verkauft, so ging 2008 ein Paket mit rund 1300 Gebäuden für eine Milliarde Euro an den US-Investor Lone Star. Zu dem Deal gehörten auch zehn Berliner Objekte. Selbst dort, wo die Post heute noch mit eigenen Filialen vertreten ist, ist sie längst nicht mehr Eigentümer. Meist handelt es sich um verkaufte und dann wieder angemietete Gebäude. Dazu zählen beispielsweise die Standorte Frankfurter Allee, Hellersdorfer Straße, Egon-Erwin-Kisch-Straße und Posthausweg.

Aber nicht immer klappt es mit der Vermarktung der Immobilien. So steht beispielsweise das ehemalige Spandauer Hauptpostamt an der Klosterstraße auch nach seinem bereits 2007 erfolgten Verkauf weiterhin leer. Pläne für seinen Abriss und den Neubau eines gigantischen Hotel- und Kongresszentrums mit eigenem Hafen waren bereits vor längerer Zeit gescheitert.

Während die meisten Kunden den Unterschied kaum bemerkt haben, werden auch die 75 größten ehemaligen Postämter in Berlin schon lange nicht mehr von der Deutschen Post betrieben. Sie gehören jetzt der Postbank, unter deren Regie sich aber für die Kunden kaum etwas geändert hat. Das soll übrigens auch für die Post-Schalter im Supermarkt gelten. Ergänzt wird das Netz seit 2007 durch rund zwei Dutzend sogenannte Postpoints. Diese befinden sich ebenfalls in Einzelhandelsgeschäften und bieten ein eingeschränktes Angebot ohne Bankleistungen. Der neueste Postpoint wurde gerade in einem Lotto-Geschäft in der Spandauer Streitstraße eröffnet.

Darüber hinaus setzt die Post auch in Berlin zunehmend auf Selbstbedienung. So gibt es stadtweit bereits 38 Serviceinseln in drei verschiedenen Größenordnungen. Das Basismodell besteht aus der klassischen Kombination von Wertzeichenautomat und Briefkasten sowie einer Paketbox zur Aufgabe von Paketsendungen. Die sogenannte Premium-Variante verfügt anstelle der Paketbox über eine DHL-Packstation, in der angemeldete Kunden auch Pakete abholen können. Teilweise kommt dann auch noch ein Geldautomat der Postbank dazu. Hinzu kommen 56 alleinstehende DHL-Packstationen.

Derweil geht die Umzugsserie weiter: Vor wenigen Tagen hat der Bolle-Markt in der Schönwalder Straße (Spandau) die Aufgaben der nahen Postfiliale übernommen. Kurz zuvor zog ein Schreibwarengeschäft in das bisherige Postamt am Heckerdamm in Charlottenburg. Vor der Privatisierung stehen auch die Ämter in der Leibnizstraße (Charlottenburg) und der Köpenicker Straße (Mitte). Rainer W. During

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