225 Jahre Brandenburger Tor : Bei der Eröffnung war das Tor noch lange nicht fertig

Am 6. August 1791 wurde das Brandenburger Tor für den Verkehr freigegeben. Passend zum Jubiläum wurde jetzt das Tor-Design auf den U-Bahnfenstern geradegerückt. Eine Glosse

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Das Brandenburger Tor wurde vor 225 Jahren eröffnet. Foto: dpa
Das Brandenburger Tor wurde vor 225 Jahren eröffnet.Foto: dpa

Was hat man unserem Brandenburger Tor in seiner langen Geschichte nicht alles angetan: Gleich der erste Anstrich verpfuscht, so dass bereits ein Jahrzehnt nach Eröffnung die erste Reparatur erforderlich wurde, durch die das ursprüngliche strahlende Weiß zum „ekelhaften Cafee au lait“ verändert wurde, wie ein Zeitgenosse mäkelte. Dann ständig Ärger mit den anfangs vorhandenen, immer wieder kaputten Torflügeln, weiter der Raub der Quadriga durch Napoleon, 1945 die schweren Kriegsschäden, später die Abriegelung durchs DDR-Grenzregime, schließlich das Erklimmen des Tores in der Silvesternacht 1989 durch alkoholseliges Partyvolk samt erneutem Ramponieren der Quadriga, schließlich der Designfrevel der BVG.

Sie haben davon nie gehört? Er ist ihnen auch nie aufgefallen? Vielen U-Bahn-Nutzern aber schon, denen auf den Schutzfolien der Fenster einen in ihren Augen erheblicher perspektivischer Mangel entdeckt hatten. Bedruckt sind sie über und über mit dem stilisierten, aufs Nötigste reduzierten Tor, nur eben nicht so, wie man es seit Entdeckung der Zentralperspektive in der Renaissance gewohnt war. Das hat manchen gestört, und es wurde auch kundgetan, auf den vielen Wegen, die die moderne Technik erlaubt, bis die BVG ein Einsehen hatte und jetzt verkündete: „Wir haben das Brandenburger Tor gerade gerückt.“ Auf den neuen Folien, die nun peu à peu nach Bedarf ausgetauscht werden, prange das Berliner Wahrzeichen künftig „in würdevoller Schönheit und – nach einer designtechnischen Rundsanierung – nun auch in korrekter perspektivischer Darstellung“.

Mehr Durchblick. Die Schutzfolien der U-Bahnfenster werden korrigiert. Foto: Imago
Mehr Durchblick. Die Schutzfolien der U-Bahnfenster werden korrigiert.Foto: Imago

Man könnte dies als Geschenk zum 225. Geburtstag des Tores am 6. August 1791 deuten. An diesem Tag wurde das Tor für den Verkehr freigegeben, freilich ohne dass es schon fertig war – ein Schicksal, das ja aller Voraussicht nach, wenn überhaupt, auch dem derzeit ambitioniertesten Berliner Verkehrsprojekt, dem BER, bevorsteht. Es gab nicht einmal eine Feier an jenem historischen Tag, von dem man nur durch einen alten Protokolleintrag weiß, wonach „auf Befehl Sr. Königl. Majestät die Passage in dem neu erbauten Brandenburger Thor heute eröffnet wurde“. Anlass war die Inbetriebnahme des südlichen Wachgebäudes, nur dort war das Tor zu durchqueren. Der nördliche Anbau fehlte noch, ebenso Quadriga und Attikarelief. Auch enthielt der Befehl Friedrich Wilhelms II. zur Eröffnung des Tores, den er dessen Erbauer Carl Gotthard Langhans durch seinen Kammerdiener übermitteln ließ, die Mahnung, „dass das Gerüste um dieses Thor nicht Jahr und Tag stehen bleiben sollte“. Das tat es dann aber doch. Erst nach zwei weiteren Jahren war das Tor fertig – fast. Die Quadriga wurde erst im Juni 1793 aufgestellt, und es dauerte dann noch einmal bis 1795, bis aller Figurenschmuck angebracht war.

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