Berlin : 24. Juli 1978

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Vor 25 Jahren begannen die Berliner, ihren Tiergarten zu zertrampeln

BERLINER CHRONIK

„Das Erholungsbedürfnis hat sich erheblich gewandelt“, sagt der Tiergartener Gartenbauamtsleiter, wenn er die letzten Jahre überblickt, die unauslöschliche Spuren im Tiergarten hinterließen. Man wandelt nicht mehr still genießend auf den Wegen, sondern jagt über die Wiesen hinter Bällen und Hunden her, fährt mit dem Fahrrad querfeldein. Man breitet den halben Hausstand zu einem Picknick über die Grashalme oder sucht sich ein besonders schönes Fleckchen Wiese, um sich dort auf einer Wolldecke oder Luftmatratze auszustrecken. Wer dann am Abend einen Blick für die erstickten Halme übrig hat, müßte nachdenklich werden. Der zunehmend grünhungrige Großstädter läßt sich nicht mehr von den Wiesen fernhalten. Das sehen auch die Verwalter und Pfleger des Grüns ein, und deshalb versuchen sie, die Erholungsbedürftigen dorthin zu weisen, wo sie den geringsten Schaden anrichten, wo beispielsweise Liegewiesen mit besonders strapazierfähigen Grassorten den Ansturm aushalten.

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