24-Stunden-Wandertag Potsdam-Havelland : "Leiden gehört dazu"

Thorsten Hoyer hat die halbe Welt mit dem Rucksack durchwandert. Jetzt unterstützt er den 24-Stunden-Wandertag Potsdam-Havelland.

Am 10. Oktober findet der Marathonwandertag „24 Stunden Potsdam-Havelland“ statt.
Am 10. Oktober findet der Marathonwandertag „24 Stunden Potsdam-Havelland“ statt.Foto: dpa

Am 10. Oktober findet der Marathonwandertag „24 Stunden Potsdam-Havelland“ statt. Für die Wanderstrecken zwischen zehn und 100 Kilometern haben sich laut dem Veranstalter, dem Petzower Heimatverein, bereits mehr als 200 Teilnehmer angemeldet. Es seien nur noch wenige Plätze frei. Mit Thorsten Hoyer, einer Koryphäe unter deutschen Extremwanderern, hat die Veranstaltung jetzt einen prominenten Unterstützer bekommen. Die Fragen an Hoyer stellte Henry Klix.

Sie sind mit dem Schlafsack auf dem Rücken durch die halbe Welt gewandert, haben auf Nonstop-Wanderungen Island durchquert und die Alpen überwunden. Was verbindet Sie mit einem 24-Stunden-Wandertag im Potsdamer Havelland?
Dieses Jahr habe ich leider zu spät davon erfahren, und es hat nur noch für ein Grußwort gereicht, aber nächstes Mal werde ich auf jeden Fall dabei sein. Ich habe meine Laufbahn selbst damit begonnen, solche Wanderevents vor meiner Haustür zu planen. Man ist immer auf der Suche nach Abenteuern und fernen exotischen Zielen.

Aber Abenteuer sind auch zu finden, wo man lebt. Wenn man ein bisschen kreativ ist, kann man die selbst schaffen oder auf Angebote wie den Wandertag Potsdam-Havelland zurückgreifen. Da kann man seine Heimat mal anders erleben.

Sie haben Wanderführer und Reisereportagen über Ihre Extremtouren geschrieben. Sind denn beim Wandern nicht gerade Pausen und Picknicks interessant?

Beides ist Wandern. Dazu kann das Pausemachen, Essen und Trinken gehören. Beim Extremwandern steht etwas anderes im Vordergrund: Da geht es darum, sich zu beschränken, Grenzen auszuprobieren, zu sehen, in welchem Gelände man sich bewegt, welches Equipment man braucht und wie man seinen Körper vorbereitet.

Das Erlebnis einer 24-stündigen Wanderung – in die Nacht reinzugehen und aus der Nacht heraus – das ist ein ganz spezielles und sehr intensives Unterwegssein, gerade wenn man das mit Gleichgesinnten macht. Ich finde das großartig, wobei es mir auch immer noch Spaß macht, mal nur zehn Kilometer zu wandern, dabei zehnmal einzukehren und dafür zehn Stunden zu brauchen.

Sie sind seit vielen Jahren in der Szene unterwegs. Ist Extremwandern ein neuer Trend oder etwas, das schon ewig existiert und populär ist?

Das Wandern hat seit 15 Jahren einen unglaublichen Boom erlebt, auch durch die Qualitätsoffensiven und Zertifizierung von Wanderwegen. Es wurde auch für junge Leute wieder attraktiver gemacht. Ich dachte mir vor gut zehn Jahren, zum weit verbreiteten Genusswandern müsste es doch auch einen Gegentrend geben.

Mir fehlte da der sportliche Anstrich, das Abenteuer. Als ich für meine ersten Ideen nach Unterstützern suchte bei Touristikern und Fachleuten, wurde das mitunter belächelt. Wenn man die vergangenen drei, vier Jahre beobachtet, hat sich da viel getan. Nonstop-Wandertage sind ein Marketinginstrument geworden, um Aufmerksamkeit zu erregen und junge und auswärtige Leute in eine schöne Region zu locken. Der Zulauf zu solchen Extremwandertagen wie bei Ihnen zeigt, dass inzwischen ein großes Interesse daran besteht.

Was muss ein Laie beachten, wenn er 24 Stunden lang 100 Kilometer wandert, damit er keinen Schaden nimmt?

Bei solchen 100-Kilometer-Wanderungen wie im Potsdamer Havelland sollte man sich schon kennen und auf jeden Fall zumindest wissen, wie es sich anfühlt, acht Stunden ununterbrochen aktiv zu wandern. Man muss sich einschätzen können und sollte die Fähigkeit haben, auf den Körper und seine Warnsignale zu hören. Ein bisschen Leidensfähigkeit, gute Schuhe und Proviant gehören auch dazu, wobei es in diesem Fall ja Verpflegungspunkte geben soll.

Was macht denn die Potsdamer Havelregion als Wanderregion im Vergleich zu etablierten Wanderzielen interessant?

Die Mark Brandenburg wird als Wanderregion bisher nicht unbedingt wahrgenommen und somit unterschätzt. Ich bin in den vergangenen Jahren vermehrt in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Wanderschuhen unterwegs gewesen. Bei den moderaten Höhenmetern hat man andere Aussichten und Einsichten als im Mittelgebirgsraum, wo das Wandern zu Hause ist. Das Bergauf-Bergab ist beschwerlich und geht auf die Gelenke. Im Flachland geht man andere und auch längere Strecken. Man sollte aber auch die 100 Kilometer auf keinen Fall unterschätzen.

Es gibt Gruppierungen wie den Brandenburgischen Wandersport- und Bergsteiger-Verband, der den Extremwandertag „24 Stunden Potsdam-Havelland“ als „verbandsfremde Aktivität“ kritisiert und unter anderem wegen der Teilnahmekosten davon abrät, mitzumachen, und auf seine eigenen, kostenlosen Veranstaltungen verweist. Was sagen Sie denen?

Beim Wandern gibt es kein Richtig und Falsch. Natürlich kann jeder, der Spaß daran hat, auch seine eigenen Wanderevents veranstalten, das schadet den Vereinen überhaupt nicht. Für viele, gerade auch in solchen Vereinen, ist das Extremwandern etwa Fremdes und völlig Unbekanntes.

Ich habe da auch meine Erfahrungen gemacht. Bei manchen meiner PR-Kampagnen, wo Leute mit einem etwas schnelleren Schritt mit Wanderführern unterwegs waren, hörte ich, dass das Gerenne doch kein Wandern sei. Jeder muss für sich definieren, was ihm gefällt. Wenn man sich die Strukturen der Wandervereine anschaut, dann ist das ja bisweilen auch so, dass der Altersdurchschnitt bei 70 plus liegt. Das sind Leute, die mit einem anderen Verständnis des Themas groß geworden sind.

Was hat sich denn verändert?

Zum Beispiel, dass wir keine breiten Forstwege mehr als Wanderstrecken brauchen. Wanderer heute suchen die naturnahen Pfade. Vor 30 Jahren wurde stark in Vereinen und großen Gruppen gewandert, da brauchte man Platz. Doch das ist heute nicht mehr so verbreitet und hat bei jungen Leuten sogar einen miefigen Beigeschmack. Die Gruppen sind kleiner, teilweise sind es nur Paare. Die Wanderwege dürfen durchaus auch schmal sein, die Ansprüche haben sich verändert.

Geht das nicht zulasten der Natur, abgelegene Strecken zu zerlatschen?

Manchmal wird auch noch der Naturschutz entgegengehalten, weil wir nachts Wild aufscheuchen. Ich mache bald eine 24-Stunden-Wanderveranstaltung in meiner hessischen Heimat am Edersee. Da sind wir sogar im Nationalpark Kellerwald-Edersee unterwegs. Selbst von der Parkverwaltung wurde gesagt, dass es für das Wild völlig unschädlich ist, wenn das ein-, zweimal im Jahr stattfindet.

Informationen und Anmeldung zu „24 Stunden Potsdam-Havelland“ am 10. Oktober unter www.wandern-mit-uns.de. Nonstop-Wanderer Thorsten Hoyer, 46, ist gelernter Koch und Tourismus-Betriebswirt. Über seine Arbeit bei einem Tourismusverband fand er zum Extremwandern. Er ist Autor und Berater.

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