Berlin : 25 000 Euro für ein Leben im Westen

Großverfahren gegen Schleuserbande

Berlin - Die mutmaßliche Schleuserbande kassierte für den illegalen Transport von Vietnam über Deutschland nach Großbritannien pro Person bis zu 25 000 Euro. Davon geht die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Van Luyen N. sowie zehn weitere Männer und eine Frau aus. In dem Großverfahren, das am Montag vor dem Landgericht Berlin begonnen hat, geht es um 23 Fahrten. Die Angeklagten im Alter von 22 bis 56 Jahren schwiegen zunächst.

Für den Weg gen Westen verkaufen Familien oft Haus und Hof, verschulden sich. Im Gegenzug für 25 000 Euro hätten Geschleuste von Mitgliedern der Bande in Vietnam eine „Garantie“ dafür erhalten, dass sie so lange geschmuggelt werden, bis das Ziel erreicht ist. Das Traumland war in den verhandelten Fällen stets Großbritannien. Die Geschleusten hatten gehört, dort könne man beim Anbau von Cannabis viel Geld verdienen. Der illegale Transport lief über Stationen wie Tschechien, Berlin, Paris. Die Bande soll in allen Transitländern über örtliche Gruppen verfügt haben.

Vier der Angeklagten sitzen in Haft, darunter zwei mutmaßliche Organisatoren. Neben sechs Vietnamesen müssen sich ein Georgier, ein Mazedonier und vier Deutsche verantworten. Sie waren aus Sicht der Staatsanwaltschaft in die Schleusung per Auto von Berlin nach Frankreich involviert. Dort hätten andere Bandenmitglieder die Vietnamesen übernommen, die anschließend im Zug über den Eurotunnel oder per Fähre nach Großbritannien gebracht wurde.

Neun der angeklagten Fahrten konnten Polizeibeamte jedoch vereiteln. Für 40 Vietnamesen endete die illegale Reise damit auf einer Autobahn in Deutschland. Etwa 50 Personen aber seien bis ans Ziel geschleust worden. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. K.G.

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