25. Jahrestag des Mauerfalls : Flieg, Mauer, flieg!

Der Berliner Lichtkünstler Christoph Bauder verteilt 10 000 erleuchtete Luftballons in der Stadt. Zum 25. Jubiläum des Mauerfalls 2014 werden so zwölf Kilometer des ehemaligen Grenzstreifens markiert.

Kristina Wollseifen
Pünktchen im Park. Zum 25. Jubiläum des Mauerfalls markieren die erleuchteten Luftballons im Abstand von ein bis drei Metern den ehemaligen Mauerverlauf. Die Strecke führt auch durch den Mauerpark.
Pünktchen im Park. Zum 25. Jubiläum des Mauerfalls markieren die erleuchteten Luftballons im Abstand von ein bis drei Metern den...

Tausende kleine Punkte erhellen den dunklen Nachthimmel. Es sind leuchtende Luftballons, denen die Menschen vom Boden aus hinterher blicken. Nächstes Jahr soll diese Szene Wirklichkeit werden - denn zum 25. Jahrestag des Mauerfalls wird auf einer Strecke von zwölf Kilometern entlang des ehemaligen Mauerstreifens eine Lichtinstallation aufgebaut, die die Dimensionen der Berliner Mauer widerspiegeln soll. Vom 7. bis 9. November werden tausende leuchtende und mit Helium gefüllte Luftballons den Grenzverlauf markieren, am Abend des 9. Novembers werden sie fliegen gelassen. Die Lichtinstallation ist das große offizielle Projekt der Stadt Berlin zum Mauerfall-Jubiläum.

„Wir wollen an die geteilte Stadt, aber auch an die friedliche Revolution erinnern“, sagt Moritz van Dülmen von der Veranstaltungsleitung der Kulturprojekte Berlin GmbH, die das Projekt durchführt. Die weißen Luftballons, in denen ein LED-Licht leuchten soll, seien ein friedvolles Symbol dafür. Bis zu 10 000 von ihnen sollen im Abstand von ein bis drei Metern und drei Meter hoch schwebend die Strecke vom Grenzübergang Bornholmer Straße durch den Mauerpark und Checkpoint Charlie bis zur Oberbaumbrücke beleuchten.

Anders als beim Themenjahr 2009 will man sich 2014 nur auf den Herbst als Veranstaltungszeitrum konzentrieren. In zahlreichen Veranstaltungen und Projekten soll an die friedliche Revolution 1989, den Mauerfall und die Bedeutung des 9. Novembers als „Symbol der Hoffnung für eine Welt ohne Mauern“ erinnert werden.

Lotto-Stiftung unterstützt mit 1,938 Millionen Euro

Der Berliner Lichtkünstler Christoph Bauder hatte die Idee zu dem Projekt. Momentan arbeitet die Kulturprojekte Berlin GmbH mit der Robert-Havemann-Gesellschaft und der Stiftung Berliner Mauer zusammen. Moritz van Dülmen ist sich aber sicher, dass sich in nächster Zeit noch mehr Partner finden. Die Lotto-Stiftung unterstützt das Projekt in diesem Jahr mit einer Rate von 150 000 Euro, insgesamt hat die Stiftung 1,938 Millionen Euro für die Feierlichkeiten zugesagt. „Wie hoch die Projektkosten genau sein werden, können wir noch nicht sagen“, sagt Moritz van Dülmen. Er rechnet mit einer Summe von 2,5 Millionen Euro, die auf jeden Fall benötigt wird. Das Geld von der Lotto-Stiftung würde die Basisfinanzierung decken. Neben der Lichtinstallation, die die meisten Kosten ausmacht, kümmert sich die Kulturprojekte GmbH noch um andere Veranstaltungen, die zum Mauerfall stattfinden. „Wir brauchen noch viele Menschen, die sich dem Projekt anschließen“, sagt van Dülmen.

Eine runde Sache. Auch am Checkpoint Charlie und am Brandenburger Tor sollen die hellen Lichtkegel im nächsten Jahr stehen. Simulationen: Christopher Bauder
Eine runde Sache. Auch am Checkpoint Charlie und am Brandenburger Tor sollen die hellen Lichtkegel im nächsten Jahr stehen....

Egal ob ein Unternehmen, eine Einzelperson oder eine Schulklasse – jeder kann eine Patenschaft für einen oder mehrere Luftballons übernehmen. Das helfe dabei, sich nicht nur mit dem Projekt zu identifizieren, sondern auch, daran teilzunehmen. Denn jeder Pate darf am Abends des 9. Novembers 2014 seinen Luftballon selbst fliegen lassen. In einer „emotionalen Gemeinschaftsaktion werden die Ballons leicht und friedvoll davon schweben, so wie auch die Mauer fiel“, beschreibt Moritz van Dülmen diesen letzten Festakt. Die LEDs werden übrigens vor dem Wegfliegen aus dem Ballons gelöst, aber durch eine spezielle Beschichtung werden die Ballons auch in der Luft noch eine Zeit lang nachleuchten.

Moritz van Dülmen versteht das Lichtprojekt vor allem aber auch als Einladung an alle Menschen, sich an diesem Wochenende umfassend mit dem Mauerfall auseinanderzusetzen. „Mehr als die Hälfte der Einwohner Berlins haben die Mauer gar nicht erlebt“, sagt van Dülmen. Er hofft, dass Gespräche zwischen den Besuchern entstehen und dass Kinder ihre Eltern ausfragen.

Momentan wird an verschiedenen Prototypen zur Befestigung der Luftballons gearbeitet. Auch welche Luftballons verwendet werden, muss getestet werden, denn sie müssen drei Tage lang jedem Wetter und eventuellem Vandalismus standhalten können.

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