Berlin : 27-Jähriger entführt und misshandelt

Berliner war in Potsdam gekidnappt worden / Drei Männer festgenommen / Opfer frei

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Sie hatten den 27jährigen Berliner in Potsdam entführt, ihn massiv misshandelt, verletzt und dann Lösegeld zu erpressen versucht. „Ein höherer Geldbetrag“, sagt eine Sprecherin der Potsdamer Polizei knapp. Überhaupt gibt sich die Behörde zugeknöpft, wenn es um den Entführungsfall geht. Wer war das Opfer? Kein Kommentar. Der Sohn eines Prominenten? Kein Kommentar. Wieviel Geld wurde gefordert? „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.“

Aufgenommen hat sie das Landeskriminalamt (LKA) Potsdam am 7. November, als der Berliner entführt worden war. Die Polizei hatte die Öffentlichkeit aus ermittlungstaktischen Gründen bisher nicht über das Verbrechen informiert. Am vergangenen Freitag schlugen Spezialeinheiten des LKA dann zu und nahmen drei tatverdächtige Männer im Alter von 26, 27 und 28 Jahren fest. Die mutmaßlichen Täter kommen aus dem Raum Potsdam. Unterdessen ergingen gegen die drei Deutschen Haftbefehle; sie sitzen in Untersuchungshaft.

Bei Durchsuchungen der Wohnungen stellten die Ermittler einen Revolver, einen Totschläger und andere Beweismittel sicher. Der entführte Berliner soll nicht erst bei der Festnahme der mutmaßlichen Täter am vergangenen Freitag in Sicherheit gebracht worden sein. „Er ist schon vorher freigekommen“, sagt ein Sprecher des LKA. Die Berliner Polizei war nach seinen Angaben in die Ermittlungen einbezogen worden, aber auch hier war am Mittwoch über die Entführung und ihr Opfer nichts in Erfahrung zu bringen.

Zuletzt war die Entführung des 20-jährigen Gastwirtssohn Matthias Hintze aus Geltow (Potsdam-Mittelmark) tödlich ausgegangen. Zwei Russen hatten Hintze im September 1997 entführt und eine Million Mark Lösegeld gefordert. Hintze starb in einem Erdloch. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass Entführungen kein Einzelfall sind: In den vergangenen zwei Jahren wurden laut Bundeskriminalamt (BKA) jeweils 90 Fälle des erpresserischen Menschenraubs in Deutschland registriert. Davon seien 15 Prozent versuchte Entführungen. 108 Menschen gerieten im vergangenen Jahr ins Visier von Entführern. Vier der Opfer waren Kinder, zwölf Jugendliche und zehn Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren. Aus der Kriminalstatistik geht aber nicht hervor, ob die Opfer tot oder lebendig gefunden wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Täter gefasst werden, ist hoch: Im Schnitt kann die Polizei acht von zehn Entführungen aufklären.kf

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