Berlin : 29-jähriger Türke verbrannte sich vor dem Haupteingang - Motiv noch ungeklärt

David Ensikat

Ein 29-jähriger Türke hat sich am Mittwochnachmittag vor dem Haupteingang des Reichstagsgebäudes mit Benzin übergossen und angezündet. Beamte von der Bundestags-Polizei eilten herbei und bedeckten den brennenden Mann mit Jacken. Der sofort verständigte Notarzt konnte sechs Minuten später aber nur noch den Tod feststellen. Über das Motiv des Selbstmörders ist bislang nichts bekannt.

Zwanzig Minuten nach dem Geschehen ist die große Treppe vor dem Reichstag von der Polizei abgesperrt, der Tote ist von einem Krankenwagen weggebracht worden, die Zeugen werden befragt. Davon gibt es viele, da an diesem Nachmittag trotz des schlechten Wetters eine kleine Menschen-Schlange bis hinaus auf die Vortreppe des Gebäudes stand. Auf einer der untersten Stufen steht noch der blaue 5-Liter-Benzinkanister, daneben ein Feuerzeug. Wenige kleine Reste verbrannten Materials liegen dabei.

Ein junger Mann verlässt den Polizeibus, in dem er gerade seine Beobachtungen zu Protokoll gegeben hat. Er hat gesehen, wie sich der Mann, nach vorn übergebeugt, das Benzin über den Kopf goss. Er habe den Kanister nicht vollständig geleert und sich - Unverständliches rufend - mit dem Feuerzeug anzündet. Fast eine Minute habe es gedauert, bis Hilfe hinzukam. Das waren zuerst die Wachleute vom Bundestag.

Oben auf den Stufen hinter der Absperrung steht ein junger Beamter in blauer Uniform. Der grüne Anstecker an der Brust weist ihn als Angehörigen der BundestagsPolizei aus. Er war einer der beiden Polizisten, die als erste mit ihren Jacken den Selbstmörder zu retten versuchten. "Wir hatten unsere Position im Eingangsbereich und wurden von Leuten hinausgerufen", sagt er. "Der Mann brannte sehr stark am Kopf und am Oberkörper, als wir dazukamen." Dass er und sein Kollege geistesgegenwärtig die Jacken über den Brennenden warfen, ist für den 26-Jährigen ganz selbstverständlich: "So was lernt man auf der Polizeischule." Mit Hilfe von Passanten wurde der Verletzte dann zugedeckt und in die stabile Seitenlage gebracht. "Er hatte sehr schwere Verbrennungen am Kopf und an den Händen." Der Mann habe zunächst noch geatmet. Der junge Polizist ist ganz ruhig, als er all das erzählt.

Am 7. November des vergangenen Jahres wollte im Reichstagsgebäude ein 36-jähriger Mann von der obersten Plattform der Kuppel 30 Meter in die Tiefe springen. Er konnte aber von Wachleuten nach etwa zwei Stunden von seinem Vorhaben abgebracht werden.

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