Berlin : 30 Millionen gegen Stau auf dem Stadtring

JÖRN HASSELMANN

Klemann plant elektronisches Leitsystem auf der A 100 / Totalsperrungen im Tegeler AutobahntunnelVON JÖRN HASSELMANN BERLIN.Die Verkehrsverwaltung will den Stau auf der Stadtautobahn auflösen.Für insgesamt 30 Millionen Mark plant Senator Klemann auf der gesamten Länge - zwischen den Anschlußstellen Beusselstraße und Oberlandstraße ein elektronisches Leitsystem.Bevor dieses sich auswirken kann, werden Autofahrer weiter nördlich wochenlang in eine neue Staufalle fahren: In der Nacht zu Sonnabend begann die Sanierung des A-111-Tunnels in Tegel.Bis Anfang Februar wird dieser nachts und am Wochenende total gesperrt. Obwohl die Autobahn nach Hamburg erst zehn Jahre alt ist, ist der Asphalt im Tegeler Tunnel ruiniert.Begonnen wird mit der Fahrtrichtung Süd, ab dem 19.Januar ist die Nord-Richtung dran.Der Tunnel wird zwischen den Abfahrten Waidmannsluster Damm und Holzhauser Straße werktags zwischen 21 Uhr und 5 Uhr früh total gesperrt, an den Wochenenden noch länger.Die Umleitung durch den Tegeler Ortskern über die Berliner Straße ist ausgeschildert.(Die genauen Sperrzeiten: Seite 10). Mehr Freude herrscht in Klemanns Behörde über das neue Anti-Stau-Programm für den Stadtring.Eine entsprechende Vorlage soll am kommenden Dienstag im Senat beraten werden.Am Geld wird das Projekt nicht scheitern - eher an der Berliner SPD.Die SPD-Verkehrsexpertin Käthe Zillbach bezweifelt, ob das Vorhaben sinnvoll ist."Bei Klemann muß man vorsichtig sein", sagte Zillbach dem Tagesspiegel."Der hat schon öfters versprochen, den Stau aufzulösen." Beifall klatscht die Industrie- und Handelskammer: "Das trifft voll unsere Wunschvorstellung", sagt IHK-Sprecher Egbert Steinke, da so der Wirtschaftsverkehr beschleunigt werde. Die 30 Millionen sind kein Problem.Die Finanzierung sei gesichert, bestätigte gestern der Sprecher von Bundesverkehrsminister Wissmann, Franz-Josef Schneiders.Denn Berlin stehen 1998 insgesamt 136 Millionen Mark für Autobahnbau und -erhaltung zu.Im günstigsten Fall könne man noch 1998 loslegen, hieß es gestern in Klemanns Behörde.Als erstes soll der nördliche Abschnitt von Spandauer Damm bis Beusselstraße mit "Portalen" ausgestattet werden, die die Verkehrsdichte erkennen und computergesteuert dann Symbole aufleuchten lassen, wie Stau, Nebel, Glätte, Spursperrung und vor allem Tempobegrenzungen.Diese 14 Millionen Mark sind in Bonn schon beantragt, sagte Sprecherin Kerstin Appelshäuser.Die Portale über der Fahrbahn mit den zweifarbigen Anzeigen gibt es schon auf dem Mittelstück zwischen Spandauer Damm und Kurfürstendamm.Anschließend ist der südliche Teil des Ringes bis zur Oberlandstraße dran - für 13,5 Millionen Mark. Eine besonderes Projekt plant Klemann an den Auffahrten Kaiserdamm und Hohenzollerndamm.Hier sollen Ampeln bei dichtem Verkehr die Auffahrt auf die A 100 sperren.Gerade den Sinn dieses 1,7-Millionen-Projektes bezweifelt die Berliner SPD."Ist die Ampel vor der Autobahn rot, fahren die Autos eben durch die Stadt", kritisiert Käthe Zillbach.Hinein in einen anderen Stau. Die A 100 ist nach Angaben der Verkehrsverwaltung die am höchsten belastete aller europäischen Stadtautobahnen: 95 000 Autos am Tag.Noch wesentlich größer ist der Andrang auf der A 100 unterm Funkturm, an der Einmündung der Avus: 177 000 Fahrzeuge pro Tag - Europarekord.Zum Vergleich: Durch den Hamburger Elbtunnel - das Nord-Süd-Nadelöhr - rollen 117 000 Autos täglich, weshalb der Bund derzeit 900 Millionen Mark in eine vierte Tunnelröhre investiert.Vom Jahr 2003 an stehen dann vier Spuren pro Richtung zur Verfügung. Davon werden Berliner Autofahrer weiterhin nur träumen können.Die Fahrbahnbreite von heute 10 Metern 50 läßt keine Markierung von vier Spuren zu; ein Ausbau würde Unsummen verschlingen und weitere Teile der Innenstadt zerstören.Auf zwei kleinen Abschnitten soll jedoch durch neue Markierungen vier Spuren geschaffen werden: In Fahrtrichtung Süd vom Anschluß Messedamm bis zur Avus (A115) und zwischen Siemensdamm und Rudolf-Wissell-Brücke, also der Einmündung der A 111.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben