31. Berliner Halbmarathon : Auf dem Laufenden gehalten

Sommerwetter mitten im Frühling setzte den Startern beim Halbmarathon zu – das Publikum genoss den strahlenden Sonnenschein.

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Sonnenschein beim 31. Berliner Halbmarathon. Während sich die Läufer durch die Straßen mühen, hat es sich das Kind gemütlich gemacht.Weitere Bilder anzeigen
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03.04.2011 13:19Sonnenschein beim 31. Berliner Halbmarathon. Während sich die Läufer durch die Straßen mühen, hat es sich das Kind gemütlich...

Es herrscht Premierenwetter. Zum ersten Mal startet der Berliner Halbmarathon auf der Karl-Marx-Allee, und wie dafür bestellt, lacht an diesem ersten Aprilsonntag die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Rund 20 700 Teilnehmer aus über 100 Nationen – so viele wie noch nie – sind zum 31. Halbmarathon gestartet. Und wie es beim Start am Kino International aussieht, haben sich alle Läufer und auch die rund 1800 gemeldeten Inline-Skater für kurze Shorts und T-Shirts entschieden. Kein Wunder, das Thermometer klettert an diesem Tag über zwanzig Grad. „Ich erinnere mich noch an letztes Jahr, da haben uns die Läufer aus Scherz nach einem Wodka gefragt, so kalt war es“, sagt eine Helferin an einer der Wasserausgaben. Hinter ihr sind die Schläuche an einen Hydranten angeschlossen, keine Gefahr also, dass bei den Temperaturen das Wasser knapp werden könnte.

Auch viele Teilnehmer, die sich auf dem Bürgersteig locker warm laufen oder eins der von Aktivisten verteilten und später beim Lauf überall präsenten gelb-roten „Atomkraft? Nein Danke!“-Fähnchen am Trikot befestigen, machen sich Gedanken. Anfang April haben sie mit solcher Wärme nicht gerechnet. „Nur einen Schluck zu trinken dürfte dieses Jahr kaum ausreichen“, sagt der 33-jährige Sascha Meyer aus Reinickendorf. Er möchte unter einer Stunde und 40 Minuten laufen, fürchtet aber, es könnte zu warm sein.

Tatsächlich bekommen während des Laufs zahlreiche Läufer aufgrund von Überhitzung Probleme. Ein Mann, der rund drei Kilometer vor dem Ziel zusammenbricht, hat dabei noch so viel Kraft, über so viel sportliches Pech einen Wutanfall zu bekommen. Nach Zielschluss verzeichnet Jürgen Lock, der für den medizinischen Bereich zuständige Geschäftsführer des Veranstalters SCC Events, insgesamt 184 Hilfeleistungen und rund 40 Transporte ins Krankenhaus. „Das sind deutlich mehr Transporte als in den letzten Jahren“, sagt Lock. Teilweise haben in der Sonne Temperaturen von bis zu 29 Grad geherrscht. Doch zum Glück wisse er bisher von keinen lebensbedrohlichen Vorkommnissen, so Lock. 2010 war ein 42-jähriger Läufer kollabiert und vor Ort gestorben. 20 247 Läufer erreichen diesmal das Ziel.

Was für die Läufer problematisch sein kann und womöglich auch der Grund dafür ist, dass der 18-jährige Sieger Geoffrey Kipsang in einer Zeit über einer Stunde ins Ziel kommt, genießen indes die Zuschauer: Bei dem warmen Wetter sind mehr als in den Vorjahren an die Strecke gekommen. Viele sind sommerlich gekleidet, einige sitzen auf Picknickdecken. Andere begleiten das Feld auf Fahrrädern, was bei dem Rundkurs, der über die Straße des 17. Juni und den Ernst-Reuter-Platz zum Schloss Charlottenburg und über Kurfürstendamm und Potsdamer Platz wieder zum Ziel auf der Karl-Marx-Allee führt, gut zu machen ist. An der Siegessäule, wo bei Kilometer fünf die Viktoria im neuen Blattgoldglanz erstrahlt, feuern die Zuschauer zur Blasmusik einer kleinen Band die kenianischen Spitzenläufer an. Auch am Schloss Charlottenburg kurz vor Kilometer neun ist viel los, lässt sich das sportliche Interesse doch im Anschluss prima mit einem Frühlingsspaziergang durch den Schlossgarten kombinieren. Überhaupt – der Frühling. Nicht nur am Tiergarten, sondern auch am Stuttgarter Platz und an der Fischerinsel erfreuen zarte Blumendüfte Läufer und Publikum.

Am Ziel auf der Karl-Marx-Allee, wo mit dem „Friedenslauf“ in den 80er Jahren der Ost-Berliner Vorläufer des Halbmarathons startete, freuen sich Zuschauer noch aus einem anderen Grund. „Hier ist endlich mehr Platz“, sagt Sabine Bayer aus Rudow, die sich über die Enge des früheren Zielbereichs am Roten Rathaus geärgert hat. Nun kann sie ihren Mann auf der Zielgerade nicht mehr verpassen, und schneller gratulieren kann sie jetzt auch.

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