33. Lange Nacht der Museen in Berlin : Ausnahmsweise viele Einheimische

Laufen, warten, drängeln. Oder auch: staunen, tanzen und zeichnen! Am Sonnabend war die Lange Nacht der Museen, für jeden Geschmack war etwas dabei. Manch Museumsangestellte staunte über die vielen Berliner.

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Schlangestehen vor der Alten Nationalgalerie bei der 33. Langen Nacht der Museen.
Schlangestehen vor der Alten Nationalgalerie bei der 33. Langen Nacht der Museen.Foto: dpa

Kleine Plastikfiguren, Hot Dogs mit Gesichtern und Turnschuhen und Dönerspieße mit Maschinengewehr stehen in der Ausstellung des Museums für urbane Kunst und Popkultur Generation 13. Das Museum hat derzeit keine eigenen Räume, ist in diesem Jahr aber trotzdem zum ersten Mal bei der Langen Nacht der Museen dabei. In einem kleinen Raum im zweiten Obergeschoss in der Großen Hamburger Straße 17 in Mitte hängen sieben Bilder der Berliner Graffiti-Künstler Arunski und Poet. In ihrer Serie „Les Legodts“ sollen Lego-Figuren alle Aspekte des Menschen widerspiegeln.

Zwischen den vielen jungen Menschen und Familien mit Teenager-Kindern stehen der 72-jährige Joachim Blancke und seine Frau Andrea, 70 Jahre alt. „Wir interessieren uns für alle Bereiche der Kunst“, sagt Andrea Blancke. „Da ist die Lange Nacht der Museen eine gute Gelegenheit, sich mal ganz was anderes anzusehen.“ Die beiden Berliner waren schon oft bei der Langen Nacht. Sie versuchen immer, sich Ausstellungen herauszusuchen, die nicht jedes Mal dabei sind. „Klassisches kann man sich ja eigentlich immer anschauen“, meint Jochaim Blancke.

Der 40-jährige Berliner Künstler Poet ist auch vor Ort und spricht ab und zu mit den Besuchern. Obwohl er als Graffiti-Künstler auf der Straße ein breites Publikum erreicht, findet er die Lange Nacht als Plattform spannend. „Bei einer Ausstellung sind die Betrachter toleranter, sie wollen die Kunstwerke verstehen. Auf der Straße bekommt man eher die direkte Reaktion, auch wenn die Leute weniger Verständnis zeigen“, sagt Poet.

Viele Museen sind zum ersten mal bei der Langen Nacht dabei

Das Ramones Museum liegt nur wenige hundert Meter weiter in der Krausnickstraße 23. Auch das Museum über die New Yorker Rockband ist zum ersten Mal bei der Langen Nacht der Museen dabei. Zwischen den Ramones-Schnapsgläsern, Ramones-Socken, Ramones-Frisbees und einem Garfield-Puzzle mit einer Ramones-Platte im Hintergrund betrachten sechs Besucher Bandshirts, Fotos und alte Zeitungsartikel. Doppelt so viele sitzen vorn im Café und sammeln Kraft für die Nacht.

Das Deutsche Currywurstmuseum am Checkpoint Charly ist voll. Zwischen Wurstsofa und riesigen Ketschup-Tropfen aus Stoff, die von der Decke hängen, sind viele Familien unterwegs und beantworten die Quizfragen der Museumsralley. Das Besondere an der langen Nacht? „Es sind wirklich viele Berliner hier“, sagt die Sprecherin Bianca Wohlfromm. „Die Einheimischen nutzen die Nacht, um hier mal vorbeizuschauen.“ Sonst kostet der Eintritt für Erwachsene 11 Euro, inklusive Currywurst-Probe.

Im Currywurst Museum am Checkpoint Charly sind ausnahmsweise mal viele Berliner

Besonders Männer steigen begeistert in die nachgebaute Currywurst-Bude und lassen sich mit Grillzange und Pommessieb in der Hand fotografieren, Kinder wollen ein Foto mit dem Maskottchen Qwoo, der laufenden Currywurst.

An einem PC-Stand mit Touchscreen kann man digitale Currywürste durchschneiden, Ketschup und Curry drüber streuen und bekommt je nach Geschicklich- und Schnelligkeit Punkte dafür „Das ist einfach geniales Entertainment, auch wen der Inhalt eher schwachsinnig ist“, sagt Renee Rambohr, Studentin aus Friedrichshain. Die Berlinerin ist mit drei Freunden unterwegs, auch für die 23-Jährige ist es nicht das erste Mal bei der Langen Nacht. „Das ist einfach eine gute Gelegenheit, für jedes einzelne Museum hätten wir sonst knapp zehn Euro Eintritt bezahlt.“

Vor dem Asisi Panometer nur wenige Meter entfernt in der Friedrichstraße 205 steht eine Schlange von 40 Menschen im Nieselregen, es kommen immer mehr dazu. Fünf bis zehn Minuten müsse man waren, sagt jemand vom Sicherheitspersonal. Das ist einem Mann Mitte 50 wohl zu lange, er steuert zielstrebig zum Anfang der Schlange und reiht sich ein. „Hey, hinten anstellen“, ruft ein anderer Besucher, etwa im gleichen Alter. „Macht hier jeder, was er will?!“ Nach fünf Minuten sind beide drin.

In der Berlinisches Galerie in der Alten Jakobstraße 124 in Kreuzberg sind 120 Leute im Treppensaal verteilt, sitzen auf dem Boden und lehnen an den Wänden. Sie verfolgen einen Poetry-Slam in Gebärdensprache, der für die Hörenden übersetzt wird. Anschließend tanzt die Street Dance Gruppe „Lunatics“ durch den Ausstellungsbereich. 20 Leute, hauptsächlich Frauen, haben sich zum Aktzeichnen unter Anleitung in einem kleinen Raum eingefunden.

In manchen Museen ist es in der Nacht noch beklemmender als sonst

Um 23 Uhr ist es dunkel im Garten des Exils und dem Holocaust-Turm im Jüdischen Museum und noch beklemmender als sonst. Das Museum liegt gleich um die Ecke in Lindenstraße 9. Emma aus England und Hubert aus Singapur sind als Touristen in der Stadt. Die Oxford-Studenten haben zufällig von der Langen Nacht erfahren und finden die Gelegenheit super, um möglichst viel zu sehen. Sich in der unbekannten Stadt zu orientieren, fällt den 20-Jährigen zwar etwas schwer. „Aber die Shuttlebusse sind da wirklich super“, sagt Emma. Bisher waren sie im Aquarium und im Schloss Charlottenburg, weiter geht es zur Museumsinsel. „Da wir kein Deutsch verstehen, können wir uns die Aufführungen zwar nicht anschauen, aber so haben wir mehr Zeit für die Ausstellungen“, sagt Hubert. „Und die Atmosphäre nachts und mit den ganzen Besuchern ist echt etwas Besonderes.“

Der Shuttlebus Richtung Kottbusser Tor ist brechend voll. Alle rücken zusammen, niemand wird im Nieselregen stehen gelassen. Die 25-Jährige Maria Graham ist um kurz vor Mitternacht auf dem Heimweg. Ihr tun die Füße weh, aber sie ist glücklich. „Das war meine erste Lange Nacht der Museen und sie hat meine Erwartungen wirklich übertroffen.“ Besonders viele Informationen habe sie sie zwar nicht aufgenommen, aber „man schafft mehr als vermutet und es ist weniger stressig und weniger Gedränge als gedacht“. Bei der 34. Langen Nacht der Museen wird sie sich wieder die Füße müde laufen. 

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