Berlin : 3366 Tage Probezeit

Beate und Andreas Schwiderski hatten mit der Heirat keine Eile

Maren Sauer

Beate Schreyers erster Eindruck im Frühjahr 1993 war vernichtend. Sie fand die Aufführung der Musical-Tanzgruppe um Andreas Schwiderski mies. Aber sie wollte unbedingt dort mitmachen. „Mein Team hatte sich gerade aufgelöst, und ich wollte zumindest mal am Training teilnehmen.“ Kurz darauf war sie engagiert: als Freundin des damals 25-Jährigen – auf der Bühne. Aber die Erinnerung an frühere gemeinsame Shows mit der Jazz- und Modern- Dance-begeisterten Rudowerin barg genug Gesprächsstoff. „Einige private Dates und eine durchtanzte Nacht im Far Out später waren wir dann auch im richtigen Leben ein Paar“, sagt Andreas Schwiderski. Er zog bald bei seinen Eltern aus und bei Beate ein. Das war kein Problem für die heute 33-Jährige – eher schon seine Marotte, Science-Fiction-Videos zum Einschlafen zu gucken. Andreas wiederum versteht nicht, warum Beate so leidenschaftlich Kleidung und Deko-Material sammelt. Selbst Toilettenpapier hortet sie – berufsbedingt, um Bastelmaterial für den Unterricht zu haben. Seit Mai absolviert die Sonderpädagogin ihr Referendariat an einer Schule für Lernbehinderte.

Völlig andere berufliche Herausforderungen hat dagegen Andreas zu bewältigen. Vor zwei Jahren wagte der gelernte Zoofachhändler mit einem Aquarien- Pflege-Betrieb den Schritt in die Selbstständigkeit. Doch mit der Neukunden- Akquise hapere es, weil die leider nicht sein Ding sei. „Deshalb verdiene ich mir als Callboy noch ein bisschen dazu – im Call-Center eines Versandhauses“, scherzt er.

Seit Mai 1995 waren die beiden verlobt, ehe sie sich 2002 das Jawort gaben. Aus Zeitmangel hätten sie die Heirat immer wieder verschoben. Und da die Feier im Kreise von allein 64 Verwandten „nicht zu einfach“ ausfallen sollte, habe auch das Geld eine Rolle gespielt. Schließlich war es am 17. August dann so weit: Hochzeit in der Klein-Glienicker Kapelle – einen Tag nach der standesamtlichen Trauung und 3366 Tage, nachdem sie ein Paar geworden waren. Bei der Feier mussten beide ein „richtig stressiges“ Standard-Latein-Medley aufs Parkett legen. Kein Problem für das tanzerprobte Paar.

HOCHZEIT DER WOCHE

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