Berlin : 350 Ein-Euro-Jobs an Schulen

Pädagogen beklagen unklare Handhabung

Constance Frey

Gewerkschaften und Politiker mögen noch über den richtigen Einsatz von Ein-Euro-Jobs an Berliner Schulen diskutieren – es gibt sie längst. Eine Tagesspiegel-Umfrage in elf Jobcentern der Bezirke ergab, dass bereits über 350 Ein-Euro-Jobs an Schulen bewilligt wurden – als Hilfslehrer oder als Handwerker, Bürokräfte und Personen, die Kinder in den unterrichtsfreien Stunden beschäftigen.

Das Spektrum der bestehenden Stellen ist groß. Ein-Euro-Kräfte basteln mit Kindern, bringen sie zur Verkehrsschulung, begleiten sie zum Schwimmunterricht, helfen in Bibliotheken oder arbeiten zusätzlich zum Lehrer während des Unterrichts mit einzelnen Kindern. Schulen können Ein-Euro-Jobs direkt beim Bezirksamt beantragen oder aber aus dem Angebot der Träger auswählen, die Konzepte für Langzeitarbeitslose erarbeiten und dann den Schulen anbieten. Das letzte Wort haben die Job-Center, sie bewilligen die Stellen.

Senatsbildungsverwaltung und Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit hatten sich Ende 2004 auf eine Rahmenvereinbarung für Ein-Euro-Jobs an Schulen geeinigt. Sie soll Schulleitern konkrete Hilfestellung für den Einsatz von Ein-Euro-Jobs geben. In der Bildungsverwaltung heißt es, das Papier sei den Schulen zugegangen. Das kann Erhard Laube von der Spreewald-Grundschule in Schöneberg, nicht bestätigen. Er fühlt sich mit den Auflagen von Hartz IV allein gelassen. Neulich hat ihm ein Träger Langzeitarbeitslose mit pädagogischer Ausbildung für Sprachförderung im Unterricht angeboten. „Das ist sehr zwiespältig: Ist Sprachförderung nun Aufgabe des Staates oder nicht?“, fragt er.

In der Robert-Jungk-Gesamtschule in Wilmersdorf versucht Leiterin Ruth Garstka derzeit, eine junge Frau mit 1. Lehrerstaatsexamen, die auf ihr Referendariat wartet, als Ein-Euro-Kraft einzustellen. Sie soll Kollegen im Unterricht unterstützen und einzelne Schüler betreuen. Dass sie auch mal allein vor einer Klasse stehe, sei vorstellbar, so Garstka.

Andernorts sitzen bereits Ein-Euro-Lehrer mit im Unterricht, wie in der Bruno-Taut-Grundschule in Britz. Dort betreuen sie gemeinsam mit dem Lehrer Kinder in Integrationsklassen. Vertretungen sollen sie aber laut Schulleiter Stephan Kinzel nicht übernehmen. „Noch würde ich den Unterricht lieber ausfallen lassen“, sagt er. Ein-Euro-Kräfte als Ersatz für den Unterrichtsausfall einzusetzen, fände er fatal. „Wenn wir damit anfangen, habe ich kein Argument mehr, nicht alle Lehrer auf Ein-Euro-Basis zu beschäftigen.“ Konkrete Angebote bekommt er dafür jetzt schon, wie den Physiklehrer, den ein Träger ihm neulich vorgeschlagen hat – auf Ein-Euro-Basis. Umgekehrt berichten Träger von derartigen Anfragen von Seiten der Schulen.

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