Berlin : 37 Feuer in einem Monat - offenbar das Werk eines Einzeltäters

Werner Schmidt

Kaum eine Nacht vergeht, in der der unbekannte Feuerteufel in Reinickendorf nicht zuschlägt. Insgesamt 37 Brände soll der Täter seit dem 1. April bereits gelegt haben. Der bisher entstandene Schaden hat längst eine sechsstellige Summe erreicht. In der Nacht zu gestern schlug der Brandstifter zweimal innerhalb von 30 Minuten zu: Gegen 23.45 Uhr brannte ein Wohnmobil am Ulrichsteiner Weg. Ein 22-jähriger Anwohner löschte mit Hilfe von Nachbarn. Um 0.15 Uhr entdeckte eine Zivilstreife der Polizei einen brennenden BMW an der Schluchsee-/ Ecke Titiseestraße. In diesem Fall erstickten die Beamten die Flammen.

Sobald es nachts in Lübars, Wittenau, Waidmannslust oder Hermsdorf brennt, werden die Brandspezialisten vom Landeskriminalamt aufmerksam: "Wir gehen davon aus, dass alle nächtlichen Brände in diesem Bereich vom selben Täter verursacht wurden", sagte ein Kriminalbeamter. Aber eine Spur von dem Serienbrandstifter haben die Ermittler immer noch nicht. "Der macht uns echt zu schaffen", gestand ein leitender Beamter.

Ein logisches Vorgehen konnten die Kriminalisten bisher nicht erkennen. Weder beschränkt sich der Täter auf eine bestimmte Automarke, noch auf "Nobelkarossen". Angesteckt wird alles, was ihm vors Feuerzeug kommt. Selbst auf einem Parkplatz gestapelte Euro-Paletten und eine Gartenlaube sowie ein Container gehen nach Einschätzung der Kripo auf sein Konto. Keiner weiß, wer er ist: "Zeugen wollen einen Erwachsenen auf einem Fahrrad gesehen haben", sagte ein Kriminalbeamter. Andere wiederum sprechen von einem Jugendlichen. Das Einzige, was sicher scheint, ist, dass es sich um einen Einzeltäter handelt, der nicht mit einem Benzinkanister unterwegs ist. Ein normales, billiges Feuerzeug reicht ihm völlig aus. Mit der auf maximale Größe gestellten Flamme genügt ein kurzer Moment, um Plastikteile wie Rückleuchtenabdeckung, Stoßstange oder Zierleisten anzustecken.

Alle Brandstiftungen geschahen in der Zeit zwischen 22 Uhr und 4 Uhr früh in einem Umkreis, in dessen Mitte die sogenannte Rollbergsiedlung am Zabel-Krüger-Damm/Schluchseestraße liegt. Was für die Kriminalisten aber kein Indiz ist, dass der Täter aus dieser Siedlung stammt. Einen Verdächtigen hatte die Polizei bereits vor einiger Zeit festgenommen. Den Mann mussten sie aber wieder laufen lassen, weil er nachweislich nicht als der Brandstifter in Frage kam.

Die Ermittlungen begannen von vorn und scheinen allem Anschein nach bisher keine allzu großen Fortschritte gemacht zu haben. Allerdings will die Polizei auch keine Einzelheiten ihrer taktischen Maßnahmen bekannt geben, die sie ergriffen hat, um den Unbekannten zu fassen. Man muss aber kein Polizeitaktiker sein, um zu ahnen, dass seit einigen Wochen im Bereich Lübars, Waidmannlust, Wittenau und Hermsdorf jede Nacht Dutzende von Polizisten in Zivil konzentriert sind.

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