40 Jahre Hürriyet : Ein Stück Türkei in der Fremde

Die deutsche Ausgabe der Hürriyet feiert ihr 40-jähriges Bestehen: mit einer Sonderbeilage voller Bilder der vergangenen Jahrzehnte.

Ferda Ataman
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Sonderbeilage der Hürriyet. Foto: promo

Nur wenige Jahre nach dem Anwerbeabkommen mit der Türkei wurden die anatolischen Gastarbeiter in Deutschland von ihrer sprachlich bedingten Informationsisolation befreit: Die „Hürriyet“ bot als erstes Heimatmedium an, die malochenden Anatolier über die Geschehnisse in der Türkei auf dem Laufenden zu halten. Zunächst wurde die Tageszeitung in Schnürpaketen in die Fremde geflogen. Doch schon bald beschloss die Chefredaktion in Istanbul, ein Blatt in Deutschland zu produzieren. So ging die erste türkische Gastarbeiterzeitung am 17. April 1969 in München in Druck.

Die „deutsche“ Hürriyet feiert an diesem Wochenende ihr 40-jähriges Jubiläum mit einer Sonderbeilage voller Bilder der vergangenen Jahrzehnte. Das Blatt hat sich inzwischen verändert, und das nicht nur optisch: Heute bietet Hürriyet an deutschen Kiosken weit mehr als Diaspora-Nachrichten. Zwar werden nach wie vor drei Viertel der gedruckten Seiten in der Türkei produziert. Doch vier Seiten gehören den Nachrichten aus Deutschland, darunter viele Meldungen aus der Hauptstadt.

„Wir beobachten das türkische Leben in Berlin schon sehr lange“, sagt etwa Aydin Ulun. Die Redaktion in Berlin sei fast so alt wie die deutsche Ausgabe selbst. Der 55-jährige Journalist wurde 1989 aus Istanbul nach Berlin geschickt, um über den Mauerfall zu berichten. „Ich bin dann gleich hiergeblieben“, sagt Ulun, „danach gab es noch so viel zu berichten.“ Der studierte Literturwissenschaftler ist der einzige Mitarbeiter in seiner Redaktion, der nicht fließend Deutsch spricht. „Ich bin eine Ausnahme“, sagt der Wahlberliner. „Heute werden bei uns nur noch Leute eingestellt, die perfekt Deutsch sprechen.“

Aus der Hauptstadtredaktion in Mitte werden Themen zur Bundespolitik, aber auch lokale Geschichten geliefert. „Als türkische Reporter beobachten wir natürlich immer noch vor allem die Türken in der Stadt“, sagt Ulun. Er erinnert sich an eine seiner ersten Geschichten in Berlin: Er hatte berichtet, dass Türken als Erste auf die Idee gekommen waren, Mauerteile an Touristen zu verkaufen. „Das ist eben der starke türkische Unternehmergeist“, sagt der Journalist scherzend. Berlin, sagt Ulun, sei Istanbul von allen Städten, die er kennt am nächsten, „die Stadt ist Avantgarde“.

Die deutsche Ausgabe mit inzwischen nur noch 30 000 verkauften Exemplaren muss nach wie vor um ihren Platz an den Kiosken in Berlin kämpfen: Doch während sich die Berichte in den 60er und 70er Jahren zwischen Fließband und Folklore abspielten, versucht die Hürriyet heute mehr zu sein, als ein Ableger der Hürriyet in „Almanya“. Sie ist flexibel geworden: Inzwischen kooperiert sie sogar mit ihrem alten Lieblingsgegner, der „Bild“-Zeitung. Ferda Ataman

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