• 40 Kinder und Eltern begaben sich auf eine Zeitreise in die Welt der Computer- und Videospiele

Berlin : 40 Kinder und Eltern begaben sich auf eine Zeitreise in die Welt der Computer- und Videospiele

Cecilia Meusel/Christian Nohr

Der Urahn aller Tamagotchis heißt Arnold und lebt in Berlin-Mitte. Wo? Im Computerspiele-Museum in der Rungestraße 20. Jan-Ole Christian, Mitarbeiter des Museums, hegt und pflegt ihn. "Sonst läuft Arnold nämlich grün an vor Ärger", erläutert er 40 Kindern und Eltern, die zur 6. Geheimnistour des Tagesspiegels kamen. Sie hören gebannt zu, was Christian über die Vergangenheit der Computer- und Videospiele erzählt - zu deren Geschichte auch Arnold gehört: 1985 setzten ihn seine Erfinder in ein virtuelles Häuschen auf dem Bildschirm, wo der kleine Mann fortan munter lebt und höchst rege ist - nach Lust und Laune oder auf Kommando.

Doch am Anfang war "Pong". Bereits 1972 erfand der Unternehmer Nolan K. Bushnell dieses erste kommerziell erfolgreiche Videospiel: eine Art Tele-Tischtennis - zwei Balken als Schläger, dazu ein elektronischer Punkt, der auf dem Bildschirm hin und her fliegt. In der Mitte ein weißer Strich - das Netz. Wer den Ball zu oft durchlässt, verliert.

Das Museum ist in einer Drei-Zimmer-Wohnung untergebracht und beherbergt eine in Europa einzigartige Ausstellung. Besucher sind begeistert: "Unglaublich, wie rasant sich die Computertechnik entwickelt hat. Das begreift man hier spielend." Eine Zeitreise also durch die Geschichte der Computer- und Videospiele. Vom Schwarz-Weiß-Monitor zur virtuellen Realität, mit Klassikern und Raritäten sowie Namen, die einst die Fans begeisterten: Commodore, Atari, Amiga. Hier stehen sie nebeneinander und Jan-Ole Christian haucht ihnen mit seinen Erzählungen Leben ein.

Der einzige Störenfried ist Arnold. Während Christian erzählt, spielt der streichholzgroße Kerl in seinem Häuschen laut Klavier, duscht, sieht fern oder füttert seinen Dackel. Den eingetippten Befehl "geh schlafen" ignoriert er - und Christian schimpft: "Arnold stiehlt mir immer die Show."

Natürlich leben im Museum auch "Pac-Man", "Supermario" und die "Space Invadors" - die Helden der siebziger und achtziger Jahre. Bis heute kämpfen sie im Museum gegen Monster und Geister oder erobern ferne Welten. Deshalb darf nun jeder mit ihnen spielen, so lange er will. Die Playstation von 1995 bleibt allerdings links liegen. Der 13-jährige Gabriel spielt lieber Pac-Man: "Ist halt ein Klassiker; total witzig."

Logisch, dass auch die ersten Video- und Computerspiele der DDR nicht fehlen. Bereits 1980 wurde dort das erste Videospiel gebaut: das BSS 01, eine Pong-Variante. "Im Osten bewertete man Computer und Spiele positiv", erzählt der Museumsmann. "Gefestigten sozialistischen Mädchen und Jungen konnten sie ja laut Parteiführung nichts anhaben." Das belegt ein DDR-Spruch an der Wand: "Computerspiele besitzen objektive Potenzen, die Idee und Werte des Sozialismus über Spiel aneignen zu lassen." Im Westen wurde dagegen häufig vor den "Dämonen im Kinderzimmer" gewarnt.

Extra für die Geheimnistour holt Christian jetzt noch einige Exoten aus seiner Schatzkammer. Mit dabei ein japanischer Baseballschläger, der unsichtbare Bälle schlägt, eine elektronische Angel ohne Leine oder ein Joystick in Form einer Handgranate. Wem das nicht reicht, der darf leuchtende Bilder auf den Schirm des "Vectrex" malen und mit einer 3D-Brille betrachten.

Die Ahnengalerie erinnert an längst verbannte Spielgefährten. "Zu Hause", sagt ein Vater, "holen wir gleich unseren alten Atari 2600 vom Speicher."Das Museum ist jeden Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet, es bietet auch Führungen an (Tel.: 2793351).

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