Berlin : 40 Leute sehen zu – keiner hilft

Mann rassistisch beleidigt und ins Gleis gestoßen.

Dass er von Passanten respektlos angestarrt wird, ist ihm schon oft passiert. Auch aggressive Sprüche und Beschimpfungen, die sich auf seine dunkle Hautfarbe oder seine Haare beziehen, bekommt er immer wieder zu hören. So brutal wie am Sonnabend ist der 28-jährige Weddinger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, aber zuvor noch nie angegriffen worden. Gegen 21.30 Uhr war es, als er auf dem U-Bahnhof Seestraße in Wedding aufgrund seines Aussehens von einem Mann angesprochen und beleidigt wurde. So schildern es der Betroffene und die Polizei. Der 28-Jährige ignorierte zunächst die Beschimpfungen, wurde jedoch kurz darauf rassistisch beschimpft, woraufhin er dem Mann sagte, er solle ihn in Ruhe lassen. Als dieser die Beleidigung wiederholte, spuckte der 28-Jährige ihm ins Gesicht. Der aggressive Mann spuckte zurück, schlug dem Angegriffenen mehrfach mit den Fäusten ins Gesicht, trat ihn und bedrohte ihn mit einem Messer. Dann schubste er den 28-Jährigen ins Gleisbett, aus dem dieser jedoch wieder herausklettern konnte. Alarmierte Polizisten nahmen den offenbar alkoholisierten, ebenfalls 28-jährigen Angreifer fest und beschlagnahmten das Messer. Nach Feststellung der Personalien konnte der geständige Mann gehen. Der Angegriffene erlitt leichte Kopf- und Beinverletzungen. Der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt nun.

Der Angegriffene kritisiert unter anderem die fehlende Hilfsbereitschaft von Passanten, die sich auf dem Bahnhof befunden hätten. „Als ich geschlagen wurde, standen die Menschen einfach nur drumherum.“ Mindestens 40 Personen, so schätzt er, waren in der Nähe – keiner reagierte. Auch seine Aufforderung, den Angriff per Handyvideo zu dokumentieren, blieb offenbar ungehört. Zudem sei das Vorgehen der Polizisten unsensibel gewesen. Dem Angreifer sei das Messer abgenommen worden. Dann sei er wieder frei gelassen worden – und habe sich mit einer drohenden Geste von dem Angegriffenen verabschiedet. Der Geschlagene beklagt zudem, dass die Polizei ihn nicht darüber informiert habe, dass er Opferschutz für sich in Anspruch nehmen könne. Nun befürchtet er, dass der Täter bei einer möglichen Gegenanzeige leicht herausfinden kann, wo er wohnt. ac/tabu/lvt

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